Bibeltext: Kol. 4, 2 (Ermahnung zur Fürbitte)
Schön, dass ihr gut hier angekommen seid.
Erinnert euch einmal kurz daran, was war so ziemlich das Letzte, was heute Morgen geschah, bevor ihr zu Hause losgefahren seid.
Vielleicht hast du noch schnell etwas Wärmeres angezogen, denn es war doch noch ziemlich frisch heute Morgen? Vielleicht hat dir deine Frau, deine Tochter oder Sohn einen Abschiedskuss gegeben? Oder, deine Mutter oder dein Vater war schon wach und hat dich nicht ohne die Ermahnung: „Fahr schön vorsichtig mein Junge!“ fahren lassen.
Den Spruch kenne ich sehr gut. Wobei ich damit wirklich nichts anfangen kann. Was ist vorsichtig fahren? 50kmh auf der Autobahn, selbst Opa Pölke kommt noch mit seinen Saugdiesel VW-Polo und 55kmh an dir vorbei? Heißt das, nur ja nicht überholen, denn schließlich sind das die gefährlichsten Fahrmanöver überhaupt?
Generell erscheinen mir Ermahnungen nicht der ideale Abschiedsgruß zu sein. Mein ältester Sohn hat mich einmal sehr zum Staunen gebracht. Bevor er das erste Mal für eine Jahr ins Ausland ging, damals Australien, kam er zu mir und bat mich, dass ich ihn segne. Das heißt: Ihm die Nähe Gottes auch für diesen neuen Schritt zusage.
Anschließend war da kein Raum mehr für Ermahnungen.
Dennoch können Ermahnungen wichtig sein.
Wer von euch hat zu seinem Motorrad ein Fahrerhandbuch bekommen? Bitte mal Hand hoch!
Wer von denen die sich jetzt melden, haben 25% gelesen?
Wer hat 50% gelesen?
Wer hat es komplett gelesen?
Ich kann das verstehen, wenn einer das nicht alles liest. Schließlich fährt man nicht erst seit gestern Motorrad.
Mit Fahrerhandbüchern verhält es sich so, wie man es vom jeweils anderen Geschlecht behauptet. Meist nicht ganz ernst gemeint: Kennste einen, kennste alle.
Hast du ein Fahrerhandbuch gelesen, dann scheint sich das für das ganze weitere Leben erledigt zu haben.
So ein Fahrerhandbuch steckt voller Informationen, aber eben auch voller Ermahnungen. Die sind dann meist besonders gekennzeichnet. Ein dickes Ausrufezeichen, ein Achtungszeichen, eine grelle Farbe. Egal wie, sie stechen ins Auge.
Warum macht sich der Herausgeber diese Mühe?
Nun, ganz klar, weil es wichtig ist.
Es ist wichtig, dass du einen Helm trägst.
Es ist wichtig, dass du Schutzkleidung trägst.
Es ist wichtig, dass du keinen Diesel tankst.
Es ist wichtig, zu wissen ob dein Motorrad ABS hat oder nicht.
Der folgende Vergleich ist nicht neu. Ich habe ihn schon mal gebraucht. Die Bibel ist dein Fahrerhandbuch. Sie zu lesen erhöht die Überlebenschancen gewaltig.
Wie in jedem Handbuch gibt es auch in der Bibel Ermahnungen. Eine ist heute der Predigttext.
Ermahnung zum Gebet und zum rechten Wort
Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung!
Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin, damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muss.
Verhaltet euch weise gegenüber denen, die draußen sind, und kauft die Zeit aus.
Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt.
Na gut, wenn schon vorgeschriebener Predigttext, dann wollen wir auch sehen, was er mit uns zu tun hat. Los geht´s!
„Seid beharrlich im Gebet!“
Vermutlich ist das noch kein so altes Deutsch, als dass wir es nicht auch ohne Erklärung verstehen würden. Wir sollen also anhaltend beten.
Gilt das überhaupt uns? Paulus und Timotheus schreiben einen Brief an die christliche Gemeinde in Kolossä, in der heutigen Westtürkei.
Damals gehörte die Stadt zur griechischen Einflusszone. Damals, wie heute, war es anscheinend notwendig Mahnbriefe in diese Region der Welt zu schicken.
Die Bibel erhebt aber immer auch den Anspruch, nicht nur zeitlich und territorial zu gelten, sondern in ihrer Besonderheit, Gottes Wort zu sein, hat sie auch mir und dir, heute und hier etwas zu sagen.
Paulus ermahnt zum Gebet. Wenn du heute nicht das Erste Mal hier auf dem Platz oder bei einem Bikergottesdienst bist, dann hast du schon mitbekommen, dass wir in jedem Gottesdienst zweimal zu einem Gebet einladen.
Gebetmühlenartig wiederholen wir dabei, was Gebet für uns bedeutet. Für mich ist Gebet reden mit Gott. Es macht dann immer noch mal einen Unterschied, ob ich zusammen mit vielen Menschen z.B. hier auf diesem Platz bete oder ob ich zu Hause allein bete.
Das macht einen Unterschied in der Wortwahl und auch bei dem, was ich Gott zu sagen habe. Aber es bleibt ein Gespräch mit Gott.
Und halte mich für verrückt, ich meine Gespräch, Dialog nicht Monolog. Gott antwortet. Das sehr unterschiedlich. In der Bibel lese ich, dass Gott mit gewaltiger Stimme antwortet. Er antwortet aber auch kaum wahrnehmbar wie ein Windhauch. Gott redet mit mir, mit Christen, indem er einen Gedanken in mir einpflanzt, der wächst und wächst. Deshalb ist Gebet wichtig. Fast zu keiner anderen Zeit stehe ich mit Gott so in Kontakt wie beim Gebet. Kontakt, Beziehung braucht Nähe, braucht das Gespräch.
Beharrlich sollen wir beten. Heißt das den ganzen Tag. Heißt das mit einem verklärten zum Himmel gewanden Blick, wie eine gotisch geschnitzte Figur?
Nein, das heißt es nicht. Klar ich kann immer und überall beten. Was glaubst du, auf welchen Schultoiletten ich schon gebet habe und in welchen Situationen.
Beharrlich heißt, Gott nicht nur als Notnagel zu nehmen. Nur dann ein Gebet zu sprechen, wenn scheinbar nichts anderes mehr hilft.
Beharrlich, meint tatsächlich immer wieder, in den unterschiedlichsten Lebenssituationen.
Beharrlich heißt, mit allem zu Gott kommen, was mir auf dem Herzen liegt.
So zu beten bedeutet, Gott nicht als letzte Versicherung zu missbrauchen, sondern mit ihm im Alltag zu leben.
Die Leute in Kolossä sollen Fürbitte halten. Auch das tun wir regelmäßig in unseren Gottesdiensten. Es bedeutet für einen anderen zu bitten. Stellvertretend für ihn. Sein Anliegen zu dem meinen machen.
Die Christen in Kolossä sollten dafür beten, das Paulus und Timotheus, selbst im Gefängnis, in dem sie sitzen, noch glaubhaft vom Glauben erzählen können. Wer letzten Sonntag schon zum Bikergottesdienst war, weiß schon, dass sie nicht im Knast sitzen, weil sie geraubt, betrogen oder gemordet hätten, sondern dass sie wegen ihres Glaubens inhaftiert sind. Eine Situation, die viele Christen in Asien kennen.
Vielleicht fragst du dich, ob die beiden bekloppt sind? Hätten die nicht wichtigere Dinge zu bitten, vielleicht dass sie befreit werden oder so?
Nein, die beiden leben was sie glauben. Sie wollen unter allen Umständen erzählen, was sie Gutes mit Gott erlebt haben. Wie Gott ihr Leben verändert hat.
Und ich ermahne euch Christen unter den Bikern, betet, dass wir noch mehr Menschen in unserem Land von unserem Gott erzählen können. Nicht damit CMS noch größer oder bekannter wird, sondern weil nur wer an Gott glaubt, ein geretteter Mensch ist. Kein besserer Mensch, kein frommer Spinner, sondern einer, der am Ziel seiner Sehnsüchte ist.
Das kann dir nicht egal sein, ob der oder die, mit dem du heute hier her gefahren bist, Jesus kennt oder nicht. Wenn er dir etwas Wert ist, dann fang an für ihn beharrlich zu beten. Bau ihm eine Straße zu Gott.
„Verhaltet euch weise und nutzt die Zeit!“
Es gibt viele Dinge, die müssen in unserem Alltag offensichtlich sofort sein und dulden keinen Aufschub.
Ich selbst setze mich unter Druck, weil ich Emails immer noch am gleichen Tag beantworten will. Der Kauf des neuesten Handys kann keines Falls hinausgeschoben werden. Meine Facebookseite wird schneller mit Nachrichten gefüllt, als sie passieren. Sicher kennst du noch eigene Beispiele. Du verstehst, was ich meine?!
Andere Dinge scheinen nie ganz vorn dran zu stehen. Oder wie ist das mit dem Gebet? In aller Regel beten wir, wenn grad nichts anderes anliegt oder die Not am größten ist. Auch die Entscheidung, Jesus nachzufolgen kann man unendlich hinausschieben.
Nutze die Zeit aus! Mach das, was ansteht! Wirf des Menschen liebstes Möbelstück aus deinem Leben. Nimm die lange Bank, auf die du sonst alles schiebst und mach Brennholz aus ihr.
Und zum Schluss redet Gott nun auch noch mit mir. Ganz persönlich. „Eure Rede sei allzeit freundlich und mit Salz gewürzt!“
Ich muss gestehen, das ich oft ein Getriebener bin, getrieben von den Dingen, die keinen Aufschub erlauben. Spätestens dann geht mir das Lachen verloren und die Freundlichkeit sucht das Weite. Entschuldigt bitte, wenn ich an diesem Wochenende schon wieder Mal sehr ernst geguckt habe. Eigentlich gäbe es mehr Grund zur Freude, als zum traurig in die Welt schauen. Ich merke aber auch, wie ich dafür selbst zu schwach bin. Ich kann mir ein Lächeln ins Gesicht zwingen, ihr aber könnt für ein Lächeln in meinem Gesicht beten.
So habt auch ihr jetzt einen Grund beharrlich im Gebet zu bleiben. Tut das. Haltet den Kontakt mit Gott. Lasst euch dazu ermahnen!
AMEN!
Roberto Jahn, MoGo in Rabenstein Frühjahr 2012