MogoPredigt Rätzteich Herbst 2026

Mogo Predigt Rätzteich 13.09.2026

Text. 1. Petrus 5, 5b-9

„denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. 6 So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit. 7 Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. 8 Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. 9 Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass ebendieselben Leiden über eure Brüder und Schwestern in der Welt kommen.“

Ein Jude ging einmal mit einer persönlichen Frage zum Rabbi. “Ich leide an Hochmut. Wie kann ich mich von diesem schlechten Charakterzug befreien?” fragte er. Der Rabbi wies ihn an, sich zu setzen und zu warten. Der Gehilfe des Rabbi führte den nächsten Besucher herein. Der Rabbi nickte ihm zu, und er setzte sich. “Rabbi, ich habe eine heiratsfähige Tochter, aber kein Geld. Ich bin arm.” Der Rabbi wandte sich dem ersten Juden zu und befahl ihm, dem Armen einen ordentlichen Geldbetrag zu geben, damit seine Tochter heiraten könne. “Aber Rabbi”, jammerte der Mann, “ich habe ja für mich selbst nicht genug!”

Der Rabbi half dem Armen auf andere Weise und ließ den nächsten Besucher rufen. Es war ein Jude mit einem schwierigen juristischen Problem. Der Rabbi wandte sich an den hochmütigen Juden und fragte: “Warum antwortest du ihm nicht?” Der Mann zuckte hilflos mit den Schultern. “Darüber habe ich nie etwas gelernt. Wie könnte ich ihm antworten?”Also beantwortete der Rabbi die Frage selbst. Dann kam ein Jude, der den Rabbi um einen geschäftlichen Rat bat. Wieder wandte der Rabbi sich an den ersten Juden und sagte: “Willst du ihm nicht einen nützlichen Rat geben?” Der Mann schüttelte den Kopf. “Ich habe kein Talent für Geschäfte”, sagte er. Der Rabbi kümmerte sich selbst um die Angelegenheit. Als der Kaufmann gegangen war, sah der Rabbi den hochmütigen Juden an und sagte zu ihm: “Ich verstehe das nicht. Wie kannst du hochmütig sein?! Du hast kein Geld, keine Bildung und keinen Geschäftssinn. Trotzdem bist du ein Prahlhans. Was gibt es denn für dich zu prahlen?”

Lasst uns mal mit dieser Geschichte in die Predigt einsteigen – sie spricht gleich zwei Grundgedanken des Bibeltextes an, nämlich: Hochmut und Demut.
Dazu packe ich noch zwei Wortpaare, die ihren Ursprung im Predigtext haben:

– Sorgen und versorgt sein
– Besonnen und Wachsam

  1. Hochmut und Demut

Wenn sich Harald Sturm der Enduroweltmeister sich mit seinen gerade mal geschätzten 165cm auf eine hochbeinige Enduro schwingt, dann sieht das gewaltig nach Hochmut aus. Aber man kann beruhigt sein, von ihm weiß ich, dass er es kann. Er überschätzt sich in dieser Frage nicht. Er weiß, was er kann.

Hochmut und Demut ist ein Wortpaar, das einen Gegensatz benennt.  Ich wollte auch einmal ganz demütig sein. Mein Mentor, der das hörte sagte mir daraufhin einen Satz, den ich nie mehr vergessen werde: „Offen zur Schau gestellte Demut ist versteckter Hochmut!“ Was bedeutet nun „Demut“?

Der österreichischer Schriftsteller Hermann Bahr schreibt dazu: „Demut ist schließlich nichts als Einsicht.“ (1863 – 1934) Einsicht in was? Vielleicht, dass es ein höheres Wesen als den Menschen gibt und dass der Gott der Bibel dieses nebulöse Wesen ist?! Vielleicht die Einsicht, dass der Mensch zwar viel kann, aber wenig beherrscht und damit immer wieder Katastrophen produziert. Vielleicht die Einsicht, das Gott etwas besonderes ist, heilig hätte man früher dazu gesagt. Ich kann ihm nicht das Wasser reichen.

Im Predigttext heißt es: „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ In der Bikerbibel steht an Stelle von „hochmütig“ – stolz. Kann uns Stolz an einer lebensverändernden Begegnung mit Gott hindern? Haben wir nicht immer voller Stolz gedacht, wir brauchen Gott nicht, weil wir es einfach drauf haben?  Ist Gott nur etwas für Schwache? Für Leute, die allein das Leben nicht auf die Reihe bekommen?

(1)Der Hochmütige steht voller Stolz vor einer Tür, die er (2)zugebaut hat, weil er glaubt, Gott käme durch diese Tür in sein Leben. Dabei hat er nie versucht diese (3)Tür überhaupt zu öffnen, die Klinke herunterzudrücken. Er hat nicht bemerkt, dass Gott auf der anderen Seite die Tür abgeschlossen hat. Gott widersteht den Hochmütigen…

Irgendwann kommt jeder Mensch einmal in die Lage, wo er mit Erschrecken bemerkt: „Ich hab´s ja gar nicht voll drauf!“ Ich fühl mich verloren, hilflos und hab keine Ahnung wie es weitergehen könnte. Du kannst dich daran nicht erinnern? Du Glücklicher! Oder du hast es nur erfolgreich verdrängt. Mir ist in all den Jahren noch nie ein Mensch begegnet, der nicht mindestens eine Strophe eines Klageliedes anstimmen könnte. Vielleicht helfen dir die folgenden Stichworte: Ehekrise, Arbeitslosigkeit, Verschuldung, Unfall, unheilbare Krankheit, plötzliche Behinderung. Einsamkeit…

In solchen Situationen rufen plötzlich auch die Stolzen zu Gott. Manche bewusst, denn wenn man nichts mehr zu verlieren hat, braucht man auch seinen Stolz nicht mehr und kann sich an eine letzte ewig-bleibende Institution wenden und nach Gott rufen. In diesem Moment ist der Stolz verschwunden und, (4)Gott schließt und reißt die Türe auf und ist für dich da.

Demut ist schließlich nichts als die Einsicht“… hieß es beim österreichischen Dichter und ich setzte fort: „ist nichts als die Einsicht, dass zwischen mir und Gott Welten liegen.“ Dem Demütigen ist Gott gnädig, haben wir gehört. Gott steht nicht schmollend hinter der Tür, mit verschränkten Armen und genießt, wie du an seiner Tür kratzt. – Menschlich wäre es verständlich, wenn da einer hinter der Tür stehen würde, sich die Hände reibt und seinen Sieg genießt. Nur Gott denkt und handelt nicht menschlich. Nicht in guten und nicht in schlechten Dingen. Gott reißt die Tür auf und ist gnädig. Sogleich bist du ihm genauso wichtig, wie der der schon immer die Tür zu ihm offenhielt.  Deshalb kann man immer beginnen mit Gott zu leben, die Tür zu öffnen. Es braucht keinen besonderen Anlass. Vielleicht ist es heute für dich dran?

Nächste Frage: Ist Gott nur etwas für Schwache? Etwas für Luschen, Warmduscher, Opavorlasser…Ich sage dir, bei Gott gibt es die ganze Palette der Menschheit. Da gibt es Schwache Menschen, die am Leben verzweifeln würden – für die ist Gott da. Da gibt es aber auch die Starken. Bei den Starken ist mir aufgefallen, die waren alle, durch die Bank Schwache, Luschen… bis sie Gott die Tür öffneten. Nimm dir dann die Bikerbibel mit und lies die Geschichten in der Bibel und die Geschichten aus dem Leben der Motorradfahrer. Es sind alles Geschichten, in denen aus Schwachen Starke wurden. So mancher der stark daherkam verdeckte damit nur seine Schwachheit. Jesus sagte zu Paulus einmal den Satz: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2.Kor. 12,9) Beim Lesen dieser Lebensberichte kann man nur sagen: Amen, das heißt: Genau so ist es oder so soll es sein.

  1. Sorgen und versorgt sein.

Wir sorgen uns. Na klar, ohne eine gewisse Vorsorge geht es einfach nicht. Wir sorgen uns um die gleichen Dinge, die auch unsere Schwachheit bezeichnen: Wir sorgen uns um unsere Ehe, um unsere Kinder, um unsere Arbeit, unser Geld und Besitz, um unsere Gesundheit, das tägliche Brot, Motorradfahrer sorgen sich vielleicht sogar um ihr Motorrad.

Ich mach das auch und ich kenne niemanden, der das nicht auch zu einem gewissen Grad macht. Im Predigttext steht der Satz: „Überlasst all eure Sorgen Gott, denn er sorgt sich um alles, was euch betrifft.  Bedeutet das blauäugig durchs Leben zu gehen? Meiner Überzeugung nach heißt es das nicht. Es bedeutet: Lass dir nicht auf Dauer deinen Schlaf rauben von den Dingen, um die du dich sorgst!

Es gibt einige Dinge, um die ich mir zur Zeit Sorgen mache, aber mein Sorgen, meine schlaflosen Nächte, bringen die Dinge nicht voran. In einem Willensakt lege ich Gott die Dinge immer wieder hin und bitte ihn sich darum zu kümmern. Ich kann noch nicht sagen, was dabei herauskommt, aber ich bin mir sicher, dass ich niemand besseren diese Dinge hinlegen, ihn drüberschauen und ihn machen lassen könnte als Gott.

Ich weiß, Gott sorgt dafür, dass wir bekommen, was wir brauchen, wenn er es für richtig hält. Gott ist genial! Seine Hilfe kann aber anders aussehen, als wir uns das vorgestellt oder gewünscht haben. Manchmal scheint Gott fast schon ein bisschen zu übertreiben. Er schöpft aber aus den Vollen. Wenn du zu Gott gehörst, dann vertrau darauf, dass sich plötzlich Türen öffnen und Hilfe von Stellen kommt, von denen du es nie vermutet hättest. Bekommen wird der Schwache, der die Hände aufhält und nicht glaubt es selbst richten zu können. Gott gibt, was wir brauchen. Die Hände aufhalten müssen wir aber selbst. So ist es dann wie bei Motorrad. Waschen, pflegen, Schmieren, Ölen das machen wir selbst, aber die Wartung, das Durchreparieren überlassen wir den Profis.

  1. Besonnen und Wachsam

In meiner alten Lutherbibel steht nicht Besonnen und Wachsam, sondern „seid nüchtern“. Na, mit „nüchtern“ können Biker wahrscheinlich mehr anfangen. Motorradfahren sollte man nur, wenn man nüchtern ist. Bei einem Balancefahrzeug, wie einem Motorrad ist das noch mal wichtiger als beim Autofahren.  Wer jedoch Gefahren für sich selbst und andere reduzieren will, muss nüchtern sein egal was er fährt. Wenn das Leben gelingen soll, muss man besonnen sein. Man sollte die Gefahren kennen. Wer sich aufs Motorrad setzt und keine Ahnung von den Gefahren hat, wird selbst zur Gefahr. Die Gefahren zu kennen, heißt aber nicht, sich nicht mehr in den Verkehr zu wagen.

Wer mit Gott lebt, muss wissen, dass die Erde, auf der wir leben noch nicht der Himmel ist.

Vielleicht gibt es einige, die den Himmel auf Erden haben, doch gerade die sehen meist nicht so glücklich aus. Mit Gott leben bedeutet nicht abgehoben und lebensverachtend, sondern hier und jetzt und als Zeugnis für Jesus unterwegs zu sein.

Im Predigttext ist die Rede vom Gegenspieler Gottes. Da steht: Wie ein brüllender Löwe streicht er umher. Auf einer unserer Südafrikatouren haben Löwen gesehen. Aus sicherer Entfernung tat man ziemlich cool. Plötzlich springt der Löwe brüllend auf. Der Löwe steht vor uns, direkt am Zaun, und uns ist das Herz in die Hosentasche gerutscht. Mit einem Male war allen klar, das ist kein Kuscheltier. Der Teufel, der wirkliche, nicht der aus den Bilder- und Märchenbüchern der Kindheit, ist kein Kuscheltier! Er tut nichts lieber, als gute Dinge in zerstörerische zu verwandeln.

Er tut nichts lieber, als Menschen von Gott fernzuhalten. Das muss man wissen. Sei also wachsam und besonnen bei dem, was du sagst, tust und denkst. Lass dir deine Stärke nicht nehmen. Du gehörst zu Gott. Er ist der Dompteur des Löwen. Gott ist in deiner Schwachheit mächtig. Du bist mächtig durch Gott. Deshalb kannst du ohne übermäßige Sorgen und Ängste durchs Leben gehen.

AMEN (Roberto Jahn)

 

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