MoGoPredigt Großolbersdorf 2026

Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, wenn man in eine völlig andere Kultur eintaucht und plötzlich merkt: Die ticken hier irgendwie ganz anders als wir. Wir waren bis letzten Sonntag zur Adventure Tour. Wir sind bis Bulgarien zum Rila Kloster gefahren. Und auf dem Weg haben wir so viele verschiedene Arten von Gastfreundschaft in Südosteuropa kennengelernt. Das ist auch einer der Gründe, warum ich dort so gern unterwegs bin. Die Mentalität der Menschen ist einfach anders. In Rumänien haben wir das Kinderheim und Gheorge besucht. Gheorge hat für uns Abendessen organisiert. Und ich weiß nicht, was er dem Koch gesagt hat, wie viele Leute kommen. Es hätte noch für mindestens 20 Leute mehr gereicht. Und wehe, du hast etwas ausgetrunken oder aufgegessen. Das ist im Balkan ein Zeichen für: Mach mir meinen Teller oder mein Glas wieder voll. Und wenn Schnapsgläser so groß sind wie Saftgläser, sollte man damit sehr weise umgehen. Wir sind dann weiter über Serbien gefahren und haben Bernd und Darko besucht. Darko hat für uns vor Ort mit dem Hotel alles organisiert und durften nicht ohne Geschenke weiterfahren. In Bulgarien waren wir bei Martin. Letztes Jahr haben wir bei einem CMS-Baueinsatz ein Carport auf seinem Gelände gebaut. Martin baut dort gerade eine missionarische Arbeit auf und wir als CMS unterstützen ihn auch dieses Jahr wieder mit einem Baueinsatz. Dieses Mal haben Martin und seine Frau Bisi für uns gekocht. Es gab Lamm aus dem Lehm-Backofen. Ich sag euch, ich habe selten etwas gegessen, was vergleichbar gut geschmeckt hat. Das Lamm hat den ganzen Tag im Backofen verbracht. Und es war es ihnen einfach wert, uns gute Gastgeber zu sein, dieses Lamm zu organisieren und für uns als Gruppe den ganzen Tag in der Küche zu stehen. Abends kamen dann auch noch Leute aus der Nachbarschaft dazu. Und dort ist es absolut selbstverständlich, dass man Dinge wie Essen gemeinsam genießt und teilt, was man hat. Du brauchst Tomaten? Nimm dir! Du brauchst Zwiebeln? Hier, greif zu! Das ist ein Stück Balkan-Mentalität. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mal, ob es sowas wie den Straftatbestand „Mundraub“ in diesem Kulturkreis überhaupt jemals gegeben hat. Als wir dann auf der Rückfahrt waren, haben wir im Süden Rumäniens an der Donau ein Quartier gebucht. Das war eigentlich eine Unterkunft für Fahrradfahrer, die am Donau-Radweg unterwegs sind. Ein älteres Ehepaar hat dort ihr Haus ein bisschen umgebaut, um Zimmer zu vermieten. Der Sohn der beiden – Mitte 20 – wohnt inzwischen in Bukarest. Er hilft seinen Eltern aber bei den Buchungen und ist ab und zu mit da, weil die beiden nur schlecht Englisch können. Nach dem ersten Kontakt war sofort klar, dass wir dort extrem willkommen sind. Der Sohn war so begeistert, dass da plötzlich 12 Motorradfahrer kommen wollen, dass er extra für uns 2 Stunden aus Bukarest hergefahren ist, um seinen Eltern zu helfen und uns kennenzulernen. Und der Clou an der ganzen Geschichte: Der Hausvater heißt Robert Valentin. Wir haben ihm dann zur Begrüßung erstmal unseren Roberto und seinen Sohn Valentin vorgestellt. Und ab der ersten Minute, die wir da waren, hatten wir das Gefühl, dass wir Teil dieser Familie sind. Die Mutter hat für uns typisch rumänisch gekocht, ein paar von uns haben sich kurzerhand im Garten unter dem Gartenschlauch geduscht. Und selten habe ich Menschen kennengelernt, die uns als völlig Fremde so willkommen heißen, als wären wir ihre eigene Familie. Wir haben ihnen dann abends erzählt, dass wir jeden Morgen beten und dass wir an Jesus glauben. Darüber haben sie sich riesig gefreut und der Sohn erzählte mir, dass sie auch an Jesus glauben und beten. Rumänien gehört bis heute heute zu den Ländern in Europa, die kulturell am meisten mit dem christlichen Glauben verbunden sind. Ein sehr großer Teil der Leute dort gehört der christlich-orthodoxen Kirche an. Natürlich gibt es auch dort Christen, die ihren Glauben bewusster leben als andere. Aber ich glaube, dass ein Stück dieser Kultur, dieser weiten Gastfreundschaft, die wir dort erleben, auch direkt aus ihrem Glauben kommt. Wenn wir in die Bibel schauen, merken wir, dass diese radikale, weitherzige Gastfreundschaft, diese Großzügigkeit, kein kulturelles Zufallsprodukt ist. Sondern es ist ein Grundwert in der Bibel. Im Alten Testament finden wir sehr viele praktische Anweisungen, wie das Volk Israel Großzügigkeit leben soll. In 3. Mose gibt es z.B. die konkrete Anweisung, dass man bei der Ernte die Ränder der Felder nicht abernten sollte und die Nachlese nicht einsammeln soll, damit Arme und Fremde davon leben können. Und im Neuen Testament finde ich eine sehr spannende Sache, wie Paulus in 1. Timotheus 3 darüber schreibt, was einen Gemeindeleiter auszeichnet. Wenn wir an Gemeindeleiter oder Pfarrer denken, ist unser erster Gedanke oft: Priorität Nr. 1: Der muss predigen. Aber Paulus setzt andere Prioritäten. Paulus schreibt: Ein Gemeindeleiter muss vor allem 1. ein vorbildliches Leben führen, d.h. Treue und Besonnenheit usw. und 2. „ihn muss Gastfreundschaft auszeichnen“ – und dann kommt erst … „und er muss fähig sein zu lehren.“  Das heißt, bei Paulus ist die Prioritätenliste: 1. Vorbildliches Leben, 2. Gastfreundschaft und dann erst kommt: Er soll predigen können. Ich glaube, dass Gastfreundschaft eine von vielen Sachen ist, die aus Großzügigkeit entspringt. Und Großzügigkeit ist einer der grundlegendsten Charakterzüge Gottes. Und genau deshalb ist Großzügigkeit nicht nur ein Thema für Gemeindeleiter, sondern für jeden Christen. Warum ist Großzügigkeit so wichtig für Gott? Ich glaube einer der Gründe ist, dass Großzügigkeit eine der universellsten Sprachen ist, die wir als Christen sprechen können. Wir denken immer, dass wir theologisch ganz viel erklären müssten, wenn wir andere Leute für Jesus begeistern wollen. Aber ich glaube, die Sprache, die deutlicher, lauter und klarer ist als jede theologische Ausführung, ist Großzügigkeit. Und sie wird in jeder Sprache und jeder Kultur verstanden. Welche Kraft diese Großzügigkeit hatte, sehen wir schon bei den ersten Christen. Aber bevor ich den Text aus Apg 4 gleich lese, möchte ich kurz was dazu sagen, in welcher Situation sich diese Gemeinde eigentlich befand. Wenn wir heute diese Berichte in der Bibel lesen, haben wir oft so ein romantisches Bild vor Augen: Alle sitzen harmonisch im Kreis, haben sich lieb, teilen ihr Brot und alles ist friedlich. Ein idyllischer, frommer Club. Aber die Realität damals war eine völlig andere. Die Gemeinde stand unter massivem Druck. Es ging im wahrsten Sinne des Wortes um Leben und Tod. Nur ein paar Verse vorher, am Anfang von Apg 4, werden Petrus und Johannes verhaftet. Sie werden vor den Hohen Rat geschleppt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie vor exakt den gleichen Leuten standen, die kurz zuvor Jesus ans Kreuz geliefert hatten. Sie wurden verhört, bedroht und bekamen ein striktes Redeverbot: „Ihr redet kein Wort mehr über diesen Jesus!“ Die römische Besatzungsmacht war brutal, die religiöse Elite der Juden war hochgradig feindselig gegenüber den Christen. Das heißt, sie stehen unter akuter Bedrohung. Von allen Seiten. Und ich gehe davon aus, dass viele von ihnen Angst hatten, denn das geht nicht einfach so an dir vorbei. Was Unsicherheit und Angst mit Menschen macht, das sehen wir ganz gut, wenn wir uns heute in unserer Gesellschaft umschauen. Wir leben zwar im Moment nicht in einem Kriegsgebiet, aber viele fragen sich wie lange es noch dauert, bis es so weit ist. Viele sind verunsichert, viele haben Angst um die Zukunft und ihre Existenz. Und die Reaktionen reichen von Angst über lautes Beschweren bis hin zur völligen Resignation. Aber was macht die erste Gemeinde in dieser Situation? Sie baut keine Bunker. Sie fängt nicht an, sich politisch zu beschweren oder in Panik zu geraten. Sie kommen zusammen und beten. Aber sie beten nicht: „Herr, nimm die Verfolgung weg und mach unser Leben gemütlich.“ Sie beten: „Herr, gib uns allen Mut und Vollmacht, dein Wort trotz aller Bedrohung weiterzusagen.“ In Apg 2 lesen wir, was dann passierte: Der Ort, an dem sie sich getroffen haben, fing an zu beben und sie wurden vom Heiligen Geist erfüllt. Das war Pfingsten. Das war die Geburtsstunde der Kirche. Und genau aus dieser Kraft, aus dem Heiligen Geist, mitten in dieser extremen Krisenzeit, bricht eine Lebensweise hervor, die die Welt noch nicht gesehen hatte. Und das lesen wir in Apostelgeschichte 4 ab Vers 32: „Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte. Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig, der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.“ Wenn wir das heute in unserer Kultur hören, klingt das fast wie eine unerreichbare Utopie. Ein Herz und eine Seele. Alles teilen. Keiner leidet Mangel. Wer von sich sagt: Das erlebe ich GENAU SO in meiner Gemeinde, komm bitte hinterher zu mir, ich möchte lernen, wie man solche Gemeinden baut. Und Hand aufs Herz – die Frage ist doch: „Wenn das schon nicht in meiner Gemeinde funktioniert, was soll ich damit in meinem ganz normalen Alltag anfangen? Ich habe einen ganz normalen Job, Rechnungen, die bezahlt werden müssen, familiäre Verpflichtungen und ganz weltliche Alltagssorgen. Was soll ich denn jetzt damit anfangen? Soll ich jetzt nach Hause gehen und mein Haus und alles, was ich habe, verkaufen?“ Um diese Antwort vorwegzunehmen: Nein, ich denke nicht, dass es darum geht, dass wir heute alle nach Hause gehen und unseren kompletten Besitz verkaufen. Ich denke, was wir hier lesen können, ist eine Art, wie Großzügigkeit sichtbar werden kann. Die Sache ist, das es bei Großzügigkeit gar nicht in erster Linie darum geht, wie viel du von deinem Besitz abgibst, sondern um deine Herzenshaltung, WIE du mit in deinem Leben umgehst. Mit deiner Zeit, deinem Geld, dem was du hast. Großzügig zu sein bedeutet nicht, dass du hinterher nichts mehr besitzen darfst. Wir lesen in der Bibel von vielen Leuten, die reich waren und ihren Reichtum auch nicht verloren haben – aber trotzdem eine großzügige Herzenshaltung hatten. Von Abraham wissen wir, dass er riesige Viehherden, Silber und Gold besaß. Aber trotzdem lässt er seinen Neffen Lot das bessere Weideland auswählen. Auch das ist Großzügigkeit. Und da ist die eigentliche Frage: Wie kommen wir zu dieser Herzenshaltung von Großzügigkeit? Und wo ist der Punkt in meinem Leben, wo ich Großzügigkeit lernen kann? Ich denke, dabei kann uns dieser Josef helfen, von dem in den letzten beiden Versen unseres Textes die Rede ist. Der hat seinen Acker verkauft und das Geld den Aposteln bzw. der Gemeinde gegeben. Was ist mit dem passiert, dass der diese Entscheidung getroffen hat?
  1. Der Blickwechsel: Vom Kritiker zum Ermutiger – Großzügig in der Liebe
Schauen wir uns diesen Mann an. Er hieß eigentlich Josef. Aber die Apostel haben ihn nur noch Barnabas genannt. Das heißt „Sohn der Ermutigung/des Trostes“. Und er ist Levit. Das ist schon mal spannend. Lukas (der, der die Apostelgeschichte geschrieben hat) nennt kaum die Stammeszugehörigkeit von Leuten, hier aber schon. Dass es Lukas hier wichtig war zu erwähnen, dass Josef ein Levit war, scheint uns etwas Wichtiges darüber zu verraten, warum seine Freunde ihn nicht mehr Josef, sondern Barnabas nennen. Die Leviten waren der Stamm Israel, aus dem die Tempeldiener kamen. Das heißt, Josef war gut vertraut mit den jüdischen Schriften, hat eine religiöse Ausbildung erhalten, hatte wahrscheinlich auch Leitungsverantwortung und konnte lehren und predigen. Das heißt, er kommt nicht als kompletter Außenseiter zur christlichen Gemeinde, sondern kennt sich mit dem Glauben an Gott eigentlich super gut aus. Aber bevor er Jesus getroffen hat, war seine Identität: „Ich bin Josef der Levit. Tempeldiener, ich habe Status und eine Aufgabe. Es gibt Regeln und ich bin dafür verantwortlich, dass alle die einhalten.“ Es gibt nicht umsonst das Sprichwort, dass man „jemandem die Leviten liest“. Im Prinzip heißt das: Ich lese dir die Regeln nochmal vor, die für dich gelten, damit du dich endlich dran hältst. Aber als er Jesus kennenlernt, scheint sich an seinem Charakter etwas zu verändern. Die Leute um ihn herum geben ihm plötzlich den Spitznamen „Barnabas“ – Sohn der Ermutigung oder Sohn des Trostes. Was ist hier passiert? Josef hat vor allem den religiösen Regeln und der religiösen Moral gedient. Aber als er Jesus kennenlernt, begreift er, dass Jesus nicht gekommen ist, um den Menschen die komplizierten Abläufe des Tempels zu erklären. Sondern dass Jesus gekommen ist, um Menschen zu retten und ihnen Freiheit zu bringen. Und er fängt an, die Menschen wirklich zu sehen, ihnen wirklich zu dienen, so wie Jesus Menschen gedient hat. Und wird damit zu Barnabas. Überlegt mal, was das für ein Zeugnis ist, wenn deine Mitmenschen dich nicht mehr bei deinem echten Namen rufen, sondern dich „Ermutiger“ nennen, weil es das ist, was dich auszeichnet. Wir leben heute in einer Kultur, in der das Meckern und Kritisieren extrem schnell von der Hand geht. Wir sehen oft zuerst den Fehler beim anderen, das, was in der Gemeinde schiefäuft, was der Nachbar wieder falsch gemacht hat oder warum der Kollege nervt. Barnabas kannte das auch, und er hat solche Dinge nicht ignoriert, aber er war einer, der anders hingeschaut hat. Er hat das Potenzial in den Menschen gesehen. Er hat das Gold im Schlamm gesucht. Später in der Bibel ist er derjenige, der sich für den frisch bekehrten Paulus einsetzt. Als Paulus frisch bekehrt war, hatten alle riesengroße Angst vor dem. Der hatte ja vorher Christen verfolgt. Und die sagten alle: „Ach, niemals ist der Christ, der tut nur so. Halte möglichst großen Abstand, das ist ein Verräter.“ Aber Barnabas gibt ihm eine Chance und setzt sich für ihn ein. Und er riskiert damit seinen Ruf und seine Glaubwürdigkeit. Er sieht das Potential in Menschen, das andere übersehen. Hätte es Barnabas nicht gegeben, würden wir heute keine Paulusbriefe lesen. Die Frage ist: Was hinterlassen wir bei unseren Mitmenschen? Hinterlassen wir Kritik, ein schwarz gemaltes Bild, dass sowieso alles schlecht ist und das Gefühl, nicht zu genügen? Oder sind wir für unsere Familie, unsere Arbeitskollegen und die Leute in unserer Gemeinde ein „Barnabas“? Jemand, der aufbaut, der tröstet und der Mut zuspricht, wo andere schon aufgegeben haben?
  1. Großzügig mit Besitz
Wir sehen schon an seinem Namen, dass die Großzügigkeit von Barnabas bei ihm in jedem Lebensbereich zum Ausdruck kommt. Barnabas schenkt Vertrauen, Zeit, Aufmerksamkeit, Chancen, Anerkennung. Aber er verschenkt gerade hier eben auch seinen Besitz. Barnabas verkaufte seinen Acker. Ein Acker bedeutete: wirtschaftliche Sicherheit, Einkommen, Altersvorsorge, familiäres Erbe und gesellschaftliches Ansehen. Land wurde oft über Generationen weitergegeben. Das heißt, Barnabas verzichtete auf etwas, was ihm langfristig Sicherheit versprochen hätte. Und er tut das freiwillig. Und er tut das, ohne großes Aufsehen darum zu machen. Er tut das nicht, um Anerkennung von anderen zu bekommen, wie viel er gegeben hat. Sondern er tut es aus freigiebigem Herzen. Er weiß, dass Gott sein Versorger ist – in allen Dingen. Und auch hier zeigt sich wieder, dass es nicht um die Menge geht, die du gibst, sondern um die Herzenshaltung. Stell dir mal ehrlich die Frage: An wie vielen Stellen regiert dich eigentlich die Angst? Die Angst, dass für dich am Ende eh nichts übrigbleibt? Die Bitterkeit: „Was habe ich eigentlich davon? Die Leute sind doch eh alle egoistisch. Wenn ich mich hier investiere, werde ich am Ende nur ausgenutzt.“ Ich denke, wir alle kennen solche Gedanken. Barnabas ist hier völlig von seinem alten Denken umgekehrt. Er kennt Gott als seinen Versorger. Er will nicht die Anerkennung von Menschen, weil er alles weggibt. Er weiß, dass er für alle Dinge in seinem Leben von Gott als Verwalter eingesetzt ist, aber sie am Ende Gott gehören. Und ER der Versorger ist. Wir können uns mit spenden nichts bei Gott verdienen. Aber wir können lernen, unseren Besitz, unser Geld und unsere Gaben weise zu seiner Ehre einzusetzen. Wenn wir anfangen, uns jeden Tag bewusst machen: Wer ist Gott und wer bin ich in seinen Augen? Dass ich sein geliebtes Kind bin. Und dass ER mein Vater ist. Dass er mein Versorger ist. Unabhängig von meiner Leistung und meinem Erfolg. Wenn ich das weiß, dann muss ich mir meinen Wert nicht mehr krampfhaft durch die Anerkennung von meinen Mitmenschen verdienen muss. Dann kann ich – bildlich oder ganz real – meinen „Acker“ loslassen. Weil mein echtes Fundament bei Jesus liegt.
  1. Großzügig mit Macht & Einfluss
Barnabas gründet später eine Gemeinde in Antiochia. Und diese Gemeinde wächst nahezu explosionsartig. Jetzt hätte Barnabas sich als erfolgreicher Gemeindegründer feiern lassen können, aber er macht etwas anderes. Er nimmt Kontakt zu Paulus auf und bittet ihn um Hilfe. Und das zeigt mir eine weitere Form der Großzügigkeit: nämlich mit Macht & Einfluss. Er teilt seine einflussreiche Führungsposition, weil er weiß, dass sein Einfluss allein nicht das Beste für die Gemeinde wäre. Viele Menschen teilen lieber Geld als Macht & Einfluss. Barnabas teilt beides.
  1. Großzügig, Menschen zu senden
Später kommt es dann dazu, dass Paulus und Barnabas mitten aus dieser blühenden Arbeit weg an einen völlig anderen Ort berufen werden. Wenn man das liest, klingt das so selbstverständlich. Aber überlegt mal, was das ganz praktisch heißt: Das war ein riesiger personeller Verlust für die Gemeinde! Ihre besten Kräfte, die geistlichen Leiter, gehen weg. Sie hätten allen Grund gehabt zu sagen: „Vergesst es, wir behalten die hier, hier brennt die Hütte, wir haben selbst genug Baustellen und Personalnot.“ Aber sie halten sie nicht fest. Sondern sie senden sie aus. Ich finde, das fordert uns massiv heraus. Wie reagieren wir denn, wenn bei uns der Pfarrer, die engagierte Gemeindepädagogin oder der Kantor den Dienstort wechselt? Meistens starten sofort die Diskussionen: „Kannst du nicht noch bleiben? Wer soll denn das jetzt machen?“ Wir senden Leute nur sehr ungern aus, wenn wir zuerst den Mangel sehen, der bei uns entsteht. Aber genau das ist der springende Punkt. Großzügigkeit ist kein Luxusprojekt, das wir erst starten können, wenn bei uns alles perfekt läuft und wir im Überfluss leben. Die Gemeinde in Antiochia hatte selbst mit massiven Herausforderungen und Krisen zu kämpfen – finanziell wie personell. Und trotzdem hatten sie diesen radikalen Außenfokus. Sie lebten diese radikale Großzügigkeit. Mike Stachura sagte einmal folgendes: „It is not about seating capacity, it is about sending capacity.“ „Es geht nicht um die Sitzkapazität deiner Kirche, sondern um ihre Sende-Kapazität“ Wie lebendig, missionarisch und relevant deine Gemeinde ist, misst sich nicht an der Zahl der Sitzplätze. Sondern an der Bereitschaft zu geben, Menschen zu senden, uns senden zu lassen, zu investieren. Kurz: An unserer Großzügigkeit. Sind wir bereit, dass uns Nachfolge etwas kosten darf? Sind wir bereit, Gott unser BESTES zu geben? Oder sind wir manchmal eher nach dem Motto unterwegs „für die Gemeinde reicht’s schon …“? Was passiert, wenn wir das leben … Welche Außenwirkung es hatte, weil Christen so gelebt haben, möchte ich euch an einer kurzen geschichtlichen Begebenheit erzählen: Ungefähr 360 n. Chr. regierte Kaiser Julian, ein heidnischer Kaiser, und der sah das Christentum als absolute Bedrohung für das römische Reich. Und in einem seiner Briefe an einen seiner heidnischen Hohepriester, beschwert er sich: „… dass diese Christen durch ihre Nächstenliebe nicht nur ihre eigenen Leute unterstützen, sondern sogar die Römer. Und dass das eine Schande für das römische Reich ist, dass diese Christen sich besser um die Armut der Römer kümmern, als die Römer selbst.“ Die frühe Christenheit hat keine Zeltevangelisationen gemacht. Ihre Sprache der Evangelisation war ganz einfach: Großzügigkeit. Wir leben heute in einer Zeit, in der das, was wir Christen „gute Nachricht“ nennen, sich für viele nicht nach guter Nachricht anhört. Gott erscheint überflüssig. Glaube ist doch dumm. Oder ein Wunschdenken für Leute, die nichts alleine hinbekommen. Und Menschen haben den Eindruck, dass sie die hohen Moralansprüche von Christen sowieso nicht erreichen können. Und ich glaube, dass dieser Eindruck nach außen entsteht, weil die Geschichte des Christentums in vielerlei Hinsicht von Arroganz geprägt war und immer noch ist. Christen haben sich im Laufe der Geschichte oft für etwas Besseres gehalten. Besser als die, die nicht glauben. Besser als die, die anders glauben. Besser als die, die ihren Glauben anders leben. Daraus sind Kriege entstanden, die viel Leid gebracht haben. Das Wort „arrogant“ kommt von a-rogare. Das heißt: Nicht fragen. Überall dort, wo es zuerst um mich und meine Meinung geht, wo wir nicht zuerst gefragt haben, nicht versucht haben den anderen zu verstehen, ist das Christentum in eine merkwürdige Richtung abgedriftet. Aber die Wahrheit von Jesus ist nicht arrogant. Sondern tragfähige Wahrhaftigkeit und eine Kraft die wirklich verändert. Und die zeigt sich anderen als erstes an unserer Nächstenliebe und Großzügigkeit. Mitten in einer Gesellschaft, die vom ständigem Festhalten, Vergleichen und Absichern geprägt ist, stehen wir als Christen auf einem völlig anderen Fundament. Wir können einen Lebensstil pflegen, der andere ermutigt und groß macht. Weil unser Herz zuerst bei Jesus zur Ruhe kommt. Weil unsere Hände sich zuerst von Gott beschenken lassen – um dann mit offenen Händen durch den Alltag zu gehen. Bereit, das Beste zu verschenken. Wo fordert der Heilige Geist dich und mich ganz persönlich heraus, ein Stück dieser weiten, großzügigen Liebe in unserem Alltag sichtbar zu machen? Wenn in dir diese Gedanken aufstehen: „Aber was bleibt dann für mich?“ – dann bring diesen Gedanken zu Gott. Gott macht dir keine Vorwürfe, dass du das nicht besser hinkriegst. Sondern er will dich frei davon machen, dass deine Sicherheit an Menschen oder vergänglichen Dingen in dieser Welt hängt. Die Wahrheit von Jesus gibt uns Wurzeln und Flügel. Und ich wünsche dir, dass du das erleben darfst. Amen. (Theresa Thierfelder)
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