Mogo Auerswalde 2014

Bibeltext Röm. 12. 17-21
17 Vergeltet anderen Menschen nicht Böses mit Bösem, sondern bemüht euch allen gegenüber um das Gute.
18 Tragt euren Teil dazu bei, mit anderen in Frieden zu leben, so weit es möglich ist!
19 Liebe Freunde, rächt euch niemals selbst, sondern überlasst die Rache dem Zorn Gottes. Denn es steht geschrieben: »Ich allein will Rache nehmen; ich will das Unrecht vergelten«, spricht der Herr.
20 Handelt stattdessen so, wie es in der Schrift heißt: »Wenn dein Feind hungrig ist, gib ihm zu essen. Wenn er durstig ist, gib ihm zu trinken, und er wird beschämt darüber sein, was er dir angetan hat.«
21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute!

- Na, das ist doch aus einer anderen Welt oder?

- Nach unseren Erfahrungen funktioniert die Welt so nicht?

- Da werden 3 jüdische Jugendliche entführt und umgebracht. Nicht weil sie böse waren, sondern weil sie Juden waren.
- Klar, dass sich da der Volkszorn regt und alle nach Rache schreien.

- Ich kann das verstehen auch wenn ich weiß, dass das nicht richtig ist und sich dadurch die Spirale der Gewalt weiter nach oben schraubt.

- Ist die Bibel also weltfremd?

- Ja, im gewissen Sinne ist sie weltfremd. Nicht im Sinne von total doof, unrealistisch, nicht machbar...

- Sondern im Sinne von sie gibt Einblicke in eine andere Welt.
Sie gibt Einblicke darin, wie Gott sich das eigentlich gedacht hat mit uns Menschen und unser Zusammenleben.

- Beim genauen Hinschauen entdecke ich aber, dass sie doch nicht so weltfremd ist, das Paulus der den Text aufgeschrieben hat und Gott, der den Gedanken in Paulus hineingelegt hat, doch ausreichend Menschenkenntnis haben.

- Paulus schreibt nämlich nicht ihr müsst das tun, sondern er schreibt: „Bemüht euch allen gegenüber um das Gute!“

- Die Sache mit der Feindesliebe ist nicht auf dem Misthaufen des Paulus gewachsen, sondern Jesus selbst, Gottes Sohn hat neue Maßstäbe ins Spiel des Lebens gebracht.

- Das ist so wichtig, dass ich uns den Text noch einmal vorlesen möchte.

Mt. 5, 38-47
Von der Rache
38 Ihr habt gehört, dass es im Gesetz von Mose heißt: `Wer jemand am Auge verletzt, soll selbst am Auge verletzt werden. Und wer anderen einen Zahn ausschlägt, soll selbst einen Zahn dafür einbüßen.´
39 Ich aber sage: Wehrt euch nicht, wenn euch jemand Böses tut! Wer euch auf die rechte Wange schlägt, dem haltet auch die andere hin.
40 Wenn ihr vor Gericht erscheinen müsst und euer Hemd wird euch abgenommen, gebt euren Mantel noch dazu.
41 Wenn jemand von euch verlangt, eine Meile weit mit ihm zu gehen, dann geht zwei Meilen mit ihm.
42 Gebt denen, die euch bitten, und kehrt denen nicht den Rücken, die etwas von euch borgen wollen.
Von der Liebe zu den Feinden
43 Ihr habt gehört, dass es im Gesetz von Mose heißt: `Liebe deinen Nächsten´und hasse deinen Feind.
44 Ich aber sage: Liebt eure Feinde! Betet für die, die euch verfolgen!
45 So handelt ihr wie wahre Kinder eures Vaters im Himmel. Denn er lässt die Sonne für Böse und Gute aufgehen und sendet Regen für die Gerechten wie für die Ungerechten.
46 Wenn ihr nur die liebt, die euch auch lieben, was ist daran Besonderes? Das tun sogar die bestechlichen Steuereintreiber.
47 Wenn ihr nur zu euren Freunden freundlich seid, wodurch unterscheidet ihr euch dann von den anderen Menschen? Das tun sogar die, die Gott nicht kennen.
48 Ihr sollt aber vollkommen sein, so wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.

- Jesus nimmt zunächst Bezug auf das alte jüdische Gesetz.
- Uns erscheint das grausam. Auge um Auge, Zahn um Zahn...

- In Wirklichkeit war das schon ein gewaltiger Fortschritt im alten jüdischen Gesetz, denn es setzt die übersteigerte Rache außer Kraft.

- In der Welt von damals galt der Grundsatz: „Und willst du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich dir den Schädel ein!“

- Nicht Auge um Auge, sondern: Du hast mir ein Auge zerstört, deshalb bringe ich deinen Sohn um. Jeder kann sich denken, dass dies eine Spirale der Gewalt auslöst und das auf diese Art und Weise ganze Volksstämme ausgerottet wurden.

- Jesus setzt noch eines drauf.
- Nicht mehr Zahn um Zahn, sondern Feindesliebe.

- Na mal ehrlich! Hast du das schon mal gemacht? Hast du das schon mal erlebt?

- Das ist eine echte Aufforderung, wenn ja dann komm doch bitte fix nach vorn und erzähl uns davon!!!

- Ich habe das schon mal erlebt. Dazu muss ich euch eine Geschichte erzählen, bei der ich selbst nicht gut wegkomme.

- Ich war gerade am Anfang des Teenageralters. Echt unreif, was keine Entschuldigung sein soll.

- In meiner Klasse ging ein Junge, der war außer in Sport überall der Klassenbeste. So was wie Goethe. In meinen Augen ein Genie.

- Aber seine sehr guten Leistungen gingen mir echt auf den Zeiger.
- Und wie dämlich von der Lehrern ihn immer als Maßstab hinzustellen. Logisch, dass sich damit der geballte Zorn der Klasse auf ihn richtete.

- Aber es kommt noch schlimmer. Irgendwann fingen einzelne Lehrer bei der Benotung diesen Klassenkameraden zu fragen, was er denn für angemessen hielt.
- Man hatte ihn komplett in die Rolle des Lehrerlieblings, des Musterschülers gedrängt. Ich glaube ihm selbst war das gar nicht recht.

- Irgendwann konnte ich meine Zorn auf diesen Mitschüler nicht mehr beherrschen. Ich fing an ihn zu drangsalieren.
- Er wurde zum Spielball meiner Gefühle.

- Ich bekam eine schlechte Zensur, jedenfalls schlechter als er und er musste in der Pause danach leiden.

- Wer denkt, das lässt sich nicht mehr steigern, liegt falsch.
- Das Verrückte war, wir zwei waren eigentlich die einzigen die aus Christlichen Familien kamen.

- Ich hatte damals schon längst etwas über die Bibelstellen, über die ich heute predige, gehört. Sie hatten sich schon lange in mein Gedächtnis eingebrannt, aber es war reines Wissen.

- Sie hatten keine Auswirkungen auf mein Leben.
- Und wie war das bei meinem Klassenkameraden?

- Der hatte natürlich auch das längst verstanden und praktizierte es.
- Um einen realistischen Blick auf die Geschichte zu haben, muss man sagen, dass wir nicht brutal geschlagen haben. Es gab nie Exzesse.

- Aber wenn er geschlagen wurde, dann wehrte er sich nicht.
- Sein „Schlag mich doch! Ich werde mich nicht wehren.“ machte mich innerlich nur noch wilder.

- Aber irgendwann, ich weiß nicht mehr warum, wieso und weshalb, weiß nicht mehr was zuvor passiert war, konnte ich ihn nicht mehr schlagen.

- Er hatte mit seiner praktizierten Feindesliebe gesiegt. Was für ein Kerl?!
- Es hat sich bewahrheitet, was Paulus an die römischen Christen schrieb: Vers 20: Handelt stattdessen so, wie es in der Schrift heißt: »Wenn dein Feind hungrig ist, gib ihm zu essen. Wenn er durstig ist, gib ihm zu trinken, und er wird beschämt darüber sein, was er dir angetan hat.«

- Ich schäme mich für mein Verhalten von damals.

(kleine Pause)

- Nun mal ehrlich! Bemühst du dich gegenüber allen um das Gute, wie es Paulus den ersten Christen in Rom nahelegt?

- Ich schlage niemanden mehr, obwohl es (sehr selten) Situationen gibt, in denen würde ich schon gern.

- Kennst du selbst jemanden, der dir so auf den Zeiger geht?
- Ich habe sofort einen vor meinem inneren Auge. Schon wenn ich ihn sehe, drückt es meine Halsschlagader so dick wie einen Fahrradschlach, aus meinem Hals.

- Erspart mir, dass ich euch sage wer es ist. Ihr kennt ihn nicht.
- Aber wenn der den Mund aufmacht, ballen sich bei mir manchmal die Fäuste in den Hosentaschen.

- Steht dir auch jemand vor Augen?

- Ich will versuchen für ihn zu beten. Ich will Gutes von Gott für ihn erbitten und ich fang heute damit an.

- Was wird passieren?

1. Er wird immer noch Sachen von sich geben, bei denen ich innerlich verkrampfe.
2. Gott kann ihn verändern, weil ich ihn darum bitte.
3. Meine Gedanken ihm gegenüber werden sich verändern. Ich werde ihn vermutlich nicht lieben können, im Sinne: Wir werden dicke Freunde!, aber stell dir vor. Da hast mit Gott über diesen Menschen geredet. Hast Gott dein Herz ausgeschüttet, was dich an diesem Typ alles anstinkt und am Ende bittest du Gott, dass er diesem Menschen etwas Gutes widerfahren lässt.
- Glaub mir, du und ich, wir werden dem Menschen nichts Böses mehr wünschen können, solange wir das praktizieren.

„Tragt euren Teil dazu bei, mit anderen in Frieden zu leben, so weit es möglich ist!“

- Ich bitte euch, dass wir dies nicht nur hören, wie die Zeilen aus dem Fernreisebusfahrplan, sondern, dass wir das tun. Lasst uns damit anfangen.

- Du machst das schon? Klasse!
- Ich muss schon wieder gestehen: Ich nicht!

- Jemand den ich auf den Kicker habe, denn kann ich links liegen lassen, aber so was von... - Das ist nicht in Ordnung. Das ist kein Beitrag um mit anderen in Frieden zu leben.

- Wie schnell wird aus Erzählen Lästern? Über andere Herziehen? Das geht schnell oder? Das ist ebenfalls kein Betrag, um mit anderen in Frieden zu leben.

- Wie schnell hat man gelogen? Der Balkenmäher drückt das Öl zu allen Dichtungen raus. Der Monteur fragt: Wer hat denn das gemacht?
Und wie selbstverständlich, sagst du: Mein Schwager, der hatte sich den Mäher ausgeliehen.
- Nichts davon stimmt. Ich habe das Öl aufgefüllt. Ich hatte den Kanal mit dem alten Ding so voll, dass es mir egal war, dass das nun gerade zu viel Öl war.
- Kein Beitrag, um mit anderen in Frieden zu leben.

- Dann denkt man: So schlimm war das ja gar nicht. Dann bringt der Schwager seinen kleinen Rasenmäher ebenfalls zum gleichen Monteur des Vertrauens und der spricht ihn gleich mal darauf an: „So viel Öl füllt man aber nicht auf, das schadet dem Motor!“ und dann kommt alles raus.
- Damit ist mehr zerstört als man sich denken kann.

- Lasst uns auf solche angeblichen kleinen Dinge achten und uns auch gegenseitig ermahnen. Nicht wie der Klassenbeste: Siehste! Ätsch usw., sondern freundlich, aber entschieden: „Stopp! Nicht weiter! Das ist nicht gut!“

- Am Ende nun die Frage: Wie soll das gehen? Wie soll ich das hinbekommen? Soll ich mich immer nur am Riemen reißen? Wie lange geht das gut?

- Das sind alles berechtigte und lebensnahe Fragen. Gar nicht weltfremd.
- Aus Erfahrung kann ich sagen: Wenn es nur mit am Riemen reißen funktioniert, funktioniert es bei mir 3 Tage, bei dir vielleicht eine Woche. Dann ist schon wieder Schluss.

- Es gibt eine Möglichkeit, da wird aus dem „Muss“ ein „Ich kann“
- You can! Du kannst es, ohne Druck, ohne Zwang, ohne Selbstbeherrschung...

- Lass dich von der Liebe Gottes überwinden.
- Stämm dich nicht länger dagegen, als ob Frankenstein deine Tür einrammt.

- Vor deiner Tür steht Gott, Jesus, der Heilige Geist.
- Lass den in dein Leben hinein, der an dieser Stelle vollkommen ist. Der die Feindesliebe bis zum Kreuz vor Jerusalem, auf dem Hügel Golgatha, durchgezogen hat.

- Wenn Gott in dein Leben kommt, dann wird es sich verändern. Gott macht so etwas wie einen Hausputz. Er fliegt raus, was nicht mehr gebraucht wird, was nicht zur neuen Einrichtung passt.

- Meine Frau renoviert gern und häufiger als ich das tun würde.
- Aber im Grunde genieße ich es auch, wenn in der Wohnung wieder alles neu ist, neue Farben, alles frisch ist.

- Das Beste, oft passiert das wenn ich auf Freizeiten, auf Touren unterwegs bin. Und ich bin oft unterwegs.

- Cool, wenn an gar nichts selbst machen muss und dennoch alles neu ist.

- Jesus will bei dir, in deinem Leben renovieren.
- Du musst nichts tun.

- Gib ihm den Schlüssel zur Tür deines Lebens, und über Nacht, wenn du auf Tour bist, macht er alles neu.

- Deine Sicht auf dich selbst wird sich verändern. Du kannst dich selbst lieben, weil du entdeckst. Gott hat dich gemacht.

- Deine Sicht auf dich verändert sich, weil dir der Geist Gottes einen realistischen Blick auf dich selbst zeigt. Nicht länger trügerische Selbstzufriedenheit.

- Deine Sicht auf deinen Nächsten, vielleicht sogar Feind ändert sich.
Du erkennst, dass auch er genauso wie du selbst ein von Gott geschaffener und geliebter Mensch ist.

- Deine Sicht auf Gott verändert sich. Dir wird klar, dass du nie mehr ohne Gott leben willst.

- Bitte lehn dich nun nicht zurück, weil du dir denkst: Kein Problem, dass hab ich doch alles schon längst hinter mir!

- Ja, stimmt. Du hast das vielleicht schon hinter dir. Aber was passiert, wenn man eine Wohnung ständig nutzt?
- Na klar, sie wohnt sich wieder ab. Eine Renovierung steht an. Bei dir vielleicht auch?