Rabenstein Herbst 2013

Lukas 7, 11 - 16

- Als ich den Predigttext für diesen Sonntag schon einmal ein paar Wochen zuvor gelesen habe, konnte ich nicht ahnen, wie aktuell er für mich und viele andere werden sollte.

- Ich lese ihn euch einmal vor.
Text: 1Bald darauf zog Jesus mit seinen Jüngern weiter zur Stadt Nain. Eine große Menschenmenge folgte ihnen.
12Als er sich der Stadt näherte, kam ihm ein Trauerzug entgegen. Der Tote war der einzige Sohn einer Witwe gewesen, und viele trauerten mit ihr.
13Als der Herr sie sah, empfand er großes Mitleid mit ihr. »Weine nicht!«, sagte er.
14Und er ging hinüber zur Bahre und berührte sie. Die Träger blieben stehen. »Ich sage dir«, sprach Jesus, »steh auf!«
15Da setzte sich der Verstorbene auf und fing an zu sprechen! So gab Jesus ihn seiner Mutter zurück.
16Angst und Ehrfurcht erfassten die ganze Menge. Sie lobten Gott und sagten: »Ein mächtiger Prophet ist zu uns gekommen. Heute hat Gott sein Volk besucht«
- Wer in der letzten Woche im Raum Chemnitz, aber auch in ganz Sachsen die Nachrichten in Radio, Fernsehen und in der Presse verfolgt hat, weiß um das Geschehen in meinem kleinen gemütlichen Wohnort Gebirge.

- Letzten Samstagabend geht mein Piepser…
- Das Straßenfest auf dem Schulweg, die Straße auf der ich wohne, war gerade im vollen Gange.
- Kein vorgesetztes Fest. Nicht von der Kommune organisiert und nicht von der Kirchgemeinde, selbst der Sportverein und die Feuerwehr hatten nichts damit zu tun.

- Einfach nur Nachbarn, die sich verabreden, alle die auf der Straße wohnen.
- Jeder bringt Spielideen und was zu Essen mit und dann gehört allen alles.
- Fast so sozialromantisch wie in Mutters Rosamunde Pilcher Film, aber eben volle Realität.

- Das schöne wohlige Gefühl stört schon seit dem späten Nachmittag, eine ganze Reihe von Polizei, Notarzt, Krankenwagen die auf einem Feldweg leicht außerhalb des Dorfes stehen.

- Schneller als man denken kann machen Gerüchte und Spekulationen die Runde.
- Am Ende wird sich rausstellen, dass keines zugetroffen hat.

- Das kleine Fest geht weiter, warum sollten wir uns auch davon stören lassen, dass man vielleicht den Eingang zum Versteck des legendären Bernsteinzimmers gefunden hat?

- Kurz nach 20.00 Uhr macht sich mein Feuerwehrpiepser bemerkbar.
- Ich rase ins Feuerwehrdepot.
- Zu meinem Erstaunen ist kein Mensch da. Erst später kommt Ronny, mein Stellvertreter.
- Ich versuche die Leitstelle über Funk zu erreichen.
- Die wimmeln aber sofort ab und meinen ich sollte mich zur Einsatzübernahme per Draht, d.h. per Telefon melden. Ungewöhnlich.

- Langsam dämmert mir, dass hier irgendetwas total im Argen liegt.
- Ich rufe auf der Leitstelle an.
- Von dort zunächst die Frage ob unser Beleuchtungssatz groß genug ist, um einen Tatort, den Fundort einer Leiche auszuleuchten?
- Ich bejahe dies.

- Der Einsatz wird von unserer Wehr übernommen. Die Sirene geht und ruft die anderen Kameraden zusammen.

- Raus aus den Zivilklamotten, rein in die Einsatzklamotten, eben wie bei der Feuerwehr üblich.
- Schon bei anziehen fällt der Name eines unserer Kameraden, aber ich höre diesen mehr so nebenbei, wobei meine Gedanken schon um den folgenden Einsatz kreisen – Wer macht was, wo und wie?

- Dann kurz vor der Abfahrt fällt der Name noch einmal. Ich schau mich um, wer alles auf dem Fahrzeug sitzt. Ich sehe junge Kameraden, die gerade ihre Ausbildung abgeschlossen haben.

- Wenn das Gerücht stimmt und die Leiche unser Kamerad ist, dann sollten sie den Anblick nicht sehen.

- Ich lasse sie absitzen und lasse ältere Kameraden vor. Dann geht die kurze Anfahrt los. Keine 500m ist sie lang und doch so lang, wie ein Flug von Frankfurt nach San Francisco.

- Jeder hofft, dass das Gerücht nicht stimmt. Jeder überlegt, wann er den jungen Mann das letzte Mal gesehen hat. Vorgestern, Gestern – das kann doch gar nicht sein, dass er nun tot auf diesem Feldweg liegen soll.

- Ein Polizist geht mit mir zur Einsatzstelle. Meine Kameraden haben Befehl inzwischen zu warten.

- Das erste Mal sehe ich die Leiche – und es ist unser Kamerad.
- Jetzt ruhig bleiben und anstehende Aufgaben lösen.
- Gefühle erst einmal an den Rand schieben.

- Bevor ich die Einsatzbefehle gebe, teile ich den Kameraden mit, dass das Gerücht leider stimmt.
- Dann läuft alles mit einer gewissen Routine.
- Anschließend langes Warten bis die Gerichtsmedizin fertig und der Leichenwagen da ist.

- Viel Zeit zum Nachdenken, zum Grübeln…
- Zwei Gedanken lassen mich in dieser Nacht nicht mehr los.
1. Ich würde gern noch am Leichnam ein Gebet sprechen und Gott bitten, dass er barmherzig ist und den jungen Mann in seinem Reich aufnimmt.

2. Was ist, wenn die Bibel Recht hat, woran ich glaube, und mein Kamerad sich nie für Gott entschieden hat, dann werde ich ihn womöglich nie wieder sehen?

- Dann erinnere ich mich an so manches Gespräch mit ihm. Wie viel sinnloses Zeug haben wir gelabert, nicht ein Mal haben wir ernsthaft über Gott, Leben und Tod und wie es danach weitergehen kann, geredet.

- Nun in dieser Nacht ist es zu spät. Zu spät für den jungen Mann, zu spät für mich noch mal das Wort zu ergreifen.

- Ich und meine Kameraden, wir hätten uns in den letzten Tagen gewünscht, dass uns die Geschichte aus der Bibel passiert wäre.

- Was wäre das für ein Ding gewesen, wenn Jesus mit seinen Freunden den Männern vom Beerdigungsinstitut entgegen geht, sie anhält und den jungen Kameraden auferweckt?

- Erstaunlich ist, dass Jesus nicht gleich zum Sarg stürmt, sondern er geht zu erst zu der Mutter des Toten Jungen.
- Man nimmt an, dass Jesus die Witwe und ihren Sohn gut gekannt hatte.

- Jesus tut so, als ob der Tod nicht die Katastrophe ist, sondern er kümmert sich um die Zurückgebliebenen, die Trauernden.

- Tatsächlich geht es auch uns oft so, dass unsere Trauer weniger den Toten selbst betrifft, sondern wir viel mehr von dem Schmerz und der Traurigkeit, der Verzweiflung der Angehörigen ergriffen sind.

- Wie soll man wirklich trösten?
- Einfach mal Klappe halten und zuhören, den Trauernden erzählen lassen. Mit jedem Erzählen kommt auch ein winziges Stück Trost dazu, wird der Verlust verarbeitet.

- Trösten kann freilich auch so ein Wunder, dass jemand wieder zurück ins Leben geholt wird. Doch wir wissen, dass dies wirklich ein Wunder und selten bleibt.
- „Wunder gibt es immer wieder…“ so hieß es in einen alten Schlager, aber sie geschehen aus unserer Sicht zu selten.

- Trösten kann die Aussicht auf ein Wiedersehen, auf ein besseres Leben, ein Leben nach dem Tod, auf die Ewigkeit.

- Kannst du das Glauben? Kannst du darauf hoffen?

- Lasst uns noch mal zu der Geschichte mit meinem jungen Kameraden kommen. Nicht weil ich sie auswalzen will, sondern weil an ihr die Theorie praktisch wird.

- Diese Woche bekomme ich einen Anruf. Eine Frau braucht Hilfe, möchte über das Geschehen vom Wochenende reden.

- Ich nehme mir Zeit, obwohl ich selbst ziemlich down bin.
- Sie kann nicht fassen, was passiert ist.
- Sie sucht Trost. Sie möchte von mir hören, dass der junge Mann bei Gott ist.
- Sie fordert mich mehrmals auf, dass endlich zu sagen.

- Dabei glaubt sie selbst gar nicht an Gott. Vielleicht hat sie eine Ahnung davon, dass es mehr gibt, als wir uns erklären und mit unseren Sinnen und Verstand erfassen können, aber an Gott glauben, das tut sie nicht.
- Sie wünscht sich sooo sehr, dass es den jungen Mann gut geht, er bei Gott ist.
- In diesem Wunsch sind wir uns einig, aber ich kann es ihr nicht zusagen, weil es eben nicht so ist, dass einem der Himmel, die Ewigkeit pauschal offen steht.

- Ich kann es nicht sagen, weil ich lügen müsste, denn ich weiß es in diesem Falle nicht genau.
- Ich kann es nicht sagen, in Verantwortung ihr gegenüber. Sie könnte glauben, dass einfach so jeder bei Gott sein wird, aber das entspricht nicht dem, was ich in der Bibel lese.

- Es gibt ein ganz sicheres Kriterium, alles andere erscheint mir spekulativ.
- Joh. 5,24+25, 28+29        24Ich versichere euch: Wer meine Botschaft hört und an Gott glaubt, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben. Er wird nicht für seine Sünden verurteilt werden, sondern ist bereits den Schritt vom Tod ins Leben gegangen. 25Und ich versichere euch: Die Zeit kommt, ja sie ist bereits da, in der die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden. Und wer sie hört, wird leben... 28Wundert euch nicht! Die Zeit wird kommen, in der die Toten in ihren Gräbern die Stimme des Sohnes Gottes hören 29und auferstehen werden. Diejenigen, die Gutes getan haben, werden zum ewigen Leben auferstehen, und diejenigen, die Schlechtes getan haben, werden zum Gericht auferstehen
- Kriterium 1.: Jesus kennen – Wie geht das?
    1. Botschaft hören (Das sollte in jedem Gottesdienst geschehen.)

2. An Gott glauben (Das kann man nicht befehlen, aber auch Skeptiker können ausprobieren, ob am Glauben etwas dran ist, in dem sie es selbst überprüfen.
Genauso offen, wie man sich an ein ausländisches Essen setzt und es ausprobiert, so kann man eben auch Glauben ausprobieren, wenn man sich dafür öffnet.)
- Kriterium 2.: Gutes tun – Wie das geht weiß jeder. Jeder weiß im Moment in dem er etwas tut oder sagt, ob es gut oder böse ist.

- Warum bezeichne ich dieses Kriterium als trügerisch? – fragst du dich vielleicht.
- Nun wenn ich nur diese Stelle betrachte, dann scheint das klar geregelt zu sein. Doch ich erlaube mir einen kurzen Einspruch: Röm 6, 23
Denn der Lohn der Sünde ist der Tod; das unverdiente Geschenk Gottes dagegen ist das ewige Leben durch Christus Jesus, unseren Herrn.
- Aus der Sicht Gottes ist jeder Mensch ein so genannter Sünder, jeder hat Dreck am Stecken. Dabei ist nicht die Menge des Drecks und die Art des Drecks entscheidend, sondern einfach nur die Tatsache, dass man Dreck am Stecken hat.

- Wenn das stimmt - und all meine Lebenserfahrung bis hierher sagt mir, dass das stimmt, dass auch die Prachtexemplare unter den Christen, unter den Menschen überhaupt, immer auch irgendwo Dreck am Stecken haben.

- Dem zu Folge erwarten jeden von uns zuvor das Gericht Gottes und dann der ewige Tod.

- Trügerisch – Warum?  

- Weil wir glauben, dass unsere guten Taten für uns sprechen. Ich kann nicht ernsthaft behaupten, dass dies ausgeschlossen ist, aber sicher ist das nicht. Werden sie reichen? Oder werden sei von meinen Sünden sozusagen wieder aufgefressen…?

- Was zählt in Gottes Augen zu den guten Taten?
- Einen recht guten Anhaltspunkt bietet uns die Bergpredigt an.

5.1Eines Tages, als sich immer mehr Menschen um Jesus sammelten, stieg er mit seinen Jüngern auf einen Berg und setzte sich dort hin, um sie zu unterrichten.
2Und das lehrte er sie:
3»Gott segnet die, die erkennen, dass sie ihn brauchen, denn ihnen wird das Himmelreich geschenkt.
4Gott segnet die, die traurig sind, denn sie werden getröstet werden.
5Gott segnet die Freundlichen und Bescheidenen, denn ihnen wird die ganze Erde gehören.
6Gott segnet die, die nach Gerechtigkeit hungern, denn sie werden sie im Überfluss erhalten.
7Gott segnet die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erfahren.
8Gott segnet die, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen.
9Gott segnet die, die sich um Frieden bemühen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.
10Gott segnet die, die ihr Leben Gott ganz zur Verfügung stellen, denn das Himmelreich wird ihnen gehören.
11Gott segnet euch, wenn ihr verspottet und verfolgt werdet und wenn Lügen über euch verbreitet werden, weil ihr mir nachfolgt.
- Die Frau, die meine Hilfe brauchte, ging ungetröstet nach Hause. Ich wünsche ihr, dass bedenkt, was sie nun weiß. Sie wird nicht sagen können: „Ich habe doch gar nichts gewusst vom Reich Gottes und von den Kriterien für den Eintritt!?“

- Werde ich meinen Kameraden wiedersehen? Werde ich dich bei Gott, im Himmel, in der Ewigkeit wiedersehen?
- Die Frage kannst nur du für dich beantworten. Du sollst nur noch wissen, dass dies der tiefste Grund ist, warum es das Treffen in Rabenstein gibt.

- Du sollst wissen, dass es einen Gott gibt und dass er ewiges Leben für dich in den Händen hält.
- Und du sollst die Kriterien kennen, woran sich das „Ja“ oder „Nein“ zum Reich Gottes entscheidet.

- Wer heute das erste Mal in Rabenstein oder zu einem Motorradfahrergottesdienst ist, wird sich vielleicht wundern, vielleicht sogar ärgern, weil ich über Tod und Ewigkeit geredet habe und weil in manch einem vielleicht die Angst aufgestiegen sein könnte, wie ist das bei mir? Werde ich einmal nach meinem Tod leben bei Gott in paradiesischen Zuständen oder für immer nur sozusagen vor dem Schaufenster der Ewigkeit stehen, aber nicht mehr durch die inzwischen verschlossene Ladentür gehen können?

- Lieber wäre mir, wenn du Gottes Liebe erkennen könntest und deshalb seine Nähe suchst und mit ihm lebst.
- Aber der Text heute, hat auch seine Berechtigung. Es ist so als ob dir jemand den Wecker förmlich ans Ohr hält.

- Wenn du aufgeweckt bist und Klarheit über Himmel und Hölle schaffen willst, dann sind im Anschluss des Gottesdienstes da hinten im großen weißen Zelt Mitarbeiter des CMS, die dir gern helfen werden.
- Sprich sie einfach an!

- In der biblischen Geschichte machte Jesus den Sohn der Witwe aus Nain wieder lebendig. Irgendwann ist der aber auch gestorben.
- Bei dir geht es heute nicht um ein paar Jahre Leben, sondern um die Ewigkeit.  AMEN!