Rabenstein Frühjahr 2011

Bibeltext: Johannes 16, 16+20-23a

Predigt Mogo Rabenstein 1/2011

Der Text der Predigt heute gehört in die Zeit vor Ostern. Jesus ist noch ganz normal sichtbar, so wie du und ich. Er ist mit seinen Freunden zusammen.

Sie reden und essen mit ihm. Sie arbeiten mit ihm und hören ihm zu.
Gefangennahme, Folterung, Kreuzigung, Beerdigung und Auferstehung sind noch Dinge von denen selbst die besten Freunde von Jesus noch keine wirkliche Ahnung haben. – und so hört sich der Text an:

 16 Über ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen; und aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen, denn ich gehe zum Vater.
 17 Da sprachen etliche unter seinen Jüngern untereinander: Was ist das, was er sagt zu uns: Über ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen; und aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen, und: Ich gehe zum Vater?
 18 Da sprachen sie: Was ist das, was er sagt: Über ein kleines? Wir wissen nicht, was er redet.
 19 Da merkte Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Davon fragt ihr untereinander, daß ich gesagt habe: Über ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen; und aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen.
 20 Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Ihr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein; doch eure Traurigkeit soll in Freude verkehrt werden.  21 Ein Weib, wenn sie gebiert, so hat sie Traurigkeit; denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist.
 22 Und ihr habt auch nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. 23 Und an dem Tage werdet ihr mich nichts fragen.

Ein mittelalterliches Pärchen, also ein Pärchen im Mittleren Alter geht auf dem Jahrmarkt in das Zelt einer Wahrsagerin. Nach einigen Brimborium sagt die Wahrsagerin zum Ehemann: "Morgen stirbt ihre Schwiegermutter ganz plötzlich."
"Weiß ich, antwortet der Mann, mich interessiert nur, ob ich freigesprochen werde."

Nun ja, auch wenn sich der Witz ganz gut anhört,
- der eine oder andere die Notlage des Mannes nachvollziehen kann.
- Wahrsagerei ist Humbug. Das hat sich hoffentlich auch bis in die letzte Ecke des Landes herumgesprochen.
- Ich staune dennoch über die vielen Zeitungen und Zeitschriften, die vielen Fernsehsender, die mit solchen Zeug ihr Geld verdienen.
- Es scheint ein Grundbedürfnis von uns Menschen zu sein, schon vor allen anderen zu wissen, was in naher Zukunft passiert.
- Da gibt es die ganz und gar unkomplizierten Formen wie Wetterbericht. Schon am Montag habe ich nachgesehen, wie das Wetter dieses Wochenende werden soll.
- Die Planungen für das Wochenende hier liefen auf Hochtouren. Nun nicht noch etwas falsch machen. Vieles hängt hier aber eben vom Wetter ab – wie man sieht.
- In der Bibel gibt es verschiedene Geschichten in denen es auch um Wahrsagerei geht. Hier zum Beispiel eine Stelle aus dem alten Testament:
3. Mose 20, 6: „Wenn eine Seele sich zu den Wahrsagern und Astrologen wenden wird, so will ich mein Antlitz wider dieselbe Seele setzen und will sie aus ihrem Volk ausrotten.“

Nun, das ist mehr als eindeutig. Das lässt keinen Spiel-und Ermessensraum mehr zu.
An anderen Stellen entdecken wir einen ganz anderen Umgang mit der Materie. Jeder kennt wahrscheinlich die Weihnachtsgeschichte.
Nein, ich meine nicht die von Rudi, dem Rentier mit der roten Nase, sondern die Geschichte von den 3 Weisen, 3 Königen oder den 3 Sterndeutern. Letztere Bezeichnung trifft ihren Beruf am besten.
Sie kommen zu dem neugeboren Kind. Diese Geschichte ist völlig frei von irgendwelchen Wertungen, die etwa den Beruf der 3 Männer ansprechen.

Gibt es da etwa zwei Maßstäbe?
Ich glaube ja. Gott lehnt alle Weissagungen mit Hilfe von anderen Hilfsmitteln ab.
Keinen Kaffeesatz, keine alten abgenagten Knochen, kein Pendel, keine Kristallkugel, kein Tischerücken, keine Hundehaufen, kein Bleigießen, keine Astrologie,...
Grundsätzlich gilt: Lebt so wie es euch heute möglich ist. Vertraut auf Gott uns darauf, dass er es gut mit euch meint. Gott will für uns sorgen.

Es gibt aber auch Momente in denen gewährt Gott Menschen einen kleinen Einblick in die Zukunft.
Er lies den Josef träumen, von 7 mageren und 7 fetten Jahren, Abraham wusste schon vorher von der Zerstörung Sodom und Gomorras.
Im heutigen Predigttext gibt auch solch einen Moment. Jesus selbst sagt seinen Freunden und Jüngern, wie es weitergehen wird.
Und, das was er sagt, klingt alles nicht besonders rosig.

Jesus sagt zu seinen Leuten:
1.Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen.
2.Noch eine weitere kleine Weile, dann werdet ihr mich wieder sehen.
Also auf solch ein Gerede hätte ich keine Lust. Das ist wie mit Leuten, die auf die eindeutige Frage: Kommst du mit nach Rabenstein? Antworten: Mal sehn, vielleicht, weiß noch nicht…

Dabei spürst du, dass das nicht ehrlich ist, aber sie getrauen sich nicht dir zu sagen, dass sie nicht kommen werden. Auf solche Leute ist kein Verlass.

Ist Jesus auch einer von diesen Typen?

Damals konnte noch keiner wissen, was wir heute wissen. Keiner konnte es sich vorstellen oder hatte auch nur eine Ahnung davon, was bald abgehen sollte.

Vor 3 Wochen haben wir Ostern gefeiert. Die bunten Eier an den Sträußen und Büschen sind längst verschwunden. So mancher Osterhase landete in der Pfanne und wird nie wieder Eier bringen.
Andere Kollegen von ihm, die aus Schokolade, finden sich auf unseren Hüften wieder.
Ansonsten ist Ostern für uns aber gefühlsmäßig abgeschlossen. In unserer schnelllebigen Zeit heißt es schnell wieder: Auf zu neuen Zielen!

Im Kirchenjahr, in den Predigttexten strahlt Ostern hingegen aus. Immer wieder gibt es den Bezug auf das wichtigste Geschehen der Weltgeschichte. Durch Ostern ebnet Jesus dir den Weg. Er baut überhaupt erst einen für alle begehbaren Weg zu Gott. Die Stolpersteine, die vorher auf dem Weg lagen, hat er weggeräumt.

Mit dem Bezug auf Ostern kann man leicht entdecken, dass Jesus seinen Tod und sein Begräbnis vorhersagt. Die Geschichte muss sich also tatsächlich nur wenige Tage vor Ostern abspielen.

Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich wieder sehen - kann dann nur die 3 Tage im Grab meinen und die Auferstehung. Jesus begegnet Menschen und die erkennen ihn wieder.

In dieser Zeit ist es genauso, wie Jesus es vorhergesagt hat. Die Jünger sind traurig, sie heulen, sie haben keine Idee mehr für ihr Leben oder andere gehen zurück an ihre alten Arbeitsplätze, die sie vor 3 Jahren verlassen hatten.

Sie versuchen im Alltag, durch das alltägliche einen Halt zu finden.

Nach den Begegnungen mit dem eigentlich toten, aber auferstanden, lebendigen Jesus verwandelt sich diese Traurigkeit in riesige Freude.

Ehrlich, dass kann ich mir gar nicht richtig vorstellen. Da ist dein bester Kumpel mit dem Motorrad tödlich verunglückt. Da brechen Welten zusammen.

Stell dir vor, 3 Tage nach seiner Beerdigung würde er dir über den Weg laufen.
Nicht nur dir, sondern auch noch zig anderen Kumpels mit denen er unterwegs war.
Ihr seid euch sicher, nicht zu viel getrunken und keine Drogen genommen zu haben.
Und dennoch ist der Kumpel da. Du kannst dich mit ihm unterhalten. Er redet mit dir. Er isst mit dir. Du darfst sogar deine Finger einmal vorsichtig über seine Wunden streichen, damit du glauben kannst, dass er es wirklich ist.

Noch mal die Frage, kannst du dir das vorstellen. Es fasziniert mich, aber wirklich vorstellen kann ich es mir nicht.

Und doch ist es so passiert. Jesus begegnet unterschiedlichen Menschen, und an verschieden Stellen. Die erzählen glaubhaft davon, auch wenn ihre Zuhörer zurückfragen: „Welches Zeug nimmst du denn?“

Weil es unfassbar klingt. Nutz Jesus einen Vergleich.
Wenn das so geschehen wird, wie Jesus es vorhergesagt hat ist das gigantisch. Es werden Glückshormone freigesetzt, wie bei der Geburt eines Kindes. Eigentlich sind die Schmerzen riesengroß, als Mann hat man ja nur eine Ahnung davon.
Aber nach der Geburt, wenn die Mutter das Kind in den Händen hält, ist alles für diesen Moment vergessen, keine Schmerzen…

Bei der Begegnung mit dem auferstandenen Jesus, wird alles anders. Vergessen, was beschwerlich war.

Jesus sagt: Ihr werdet an diesem Tag nichts fragen.

Auf unseren Touren machen wir manchmal einen ganz besonderen Abend. Er hat den unspektakulären Titel: Frageabend.
An diesem Abend kann jeder anonym Fragen stellen. Kein Thema ist tabu.
Erstaunlich, dass es in allen Generationen noch immer tausende Fragen gibt.
Immer wieder gibt es aber auch die „Warum-Fragen“ Warum hat Gott das zugelassen? Warum gibt es Kriege? Warum hat Gott den Krebs zugelassen, den Tod meines Kindes…
Quälende Fragen gibt es einfach genug. Manchmal kann man eine Antwort herausarbeiten, kommt auch auf ganz erstaunliche Antworten und in anderen Fällen bleibt die Frage einfach bestehen.

Um mit solchen Fragen umgehen zu können. Auch eine Ende beim Suchen nach einer Antwort zu finden, sage ich dann irgendwann: „Wenn wir bei Gott sein werden, dann können wir ihm deine Frage stellen.“ Und dann kommt noch ein aber: „Aber vermutlich wird uns in diesem Moment dir Antwort nicht mehr interessieren.“

Vermutlich hat Jesus auch mit dieser Aussage Recht: „An diesem Tag werdet ihr mich nichts fragen!“

Vielleicht hast du meine Gedanken nachvollziehen, mitdenken können. Am Schluss bleibt die Frage: Was bleibt als Aussage von diesem Text für dich und mich, sozusagen zum mitnehmen? Als Futter für den Alltag?

1.Wenn du wissen willst, wie die Zukunft aussieht, dann frag Gott. Rede mit ihm im Gebet. Höre auch auf die leisen Antworten. Wenn du nichts hörst, dann vertraue darauf, dass Jesus bei dir sein will bis ans Ende der Welt, immer und überall.
2.Ostern strahlt in unser Leben. Wir feiern die Auferstehung von Jesus, nicht den Osterhasen oder ein Frühlingsfest.
3.Gott ist der Herr über die Weltgeschichte, ohne ständig und immer korrigierend einzugreifen. Vorhersagen was passiert, kann nur wer sich auskennt. Wenn du etwas über das wahre Leben wissen willst, dann ist Gott, die Bibel die erste Adresse.
4.Die Auferstehung und das ewige Leben sind nicht die langfristigen Ziele der Medizin, sondern schon längst Gottes Angebot an dich.

So, pack es ein!
Steck es ein!
Nimms mit!
AMEN!

Roberto Jahn, MoGo in Rabenstein Frühjahr 2011