MogoPredigt 12.09.2021 Rätzteich

Predigt zum Mogo Rätzteich 12.09.2021



Predigttext: Lk. 17, 5-6

Wie viel PS braucht ein richtiges Motorrad?
Würde ich jetzt durch die Reihen gehen und euch einzeln befragen, gäbe es die unterschiedlichsten Antworten.



Die einen sind der Meinung PS kann man gar nicht genug haben, brauchen aber jede Menge technische Assistenzsysteme um die Power überhaupt auf die Straße zu bringen.

Die anderen meinen, dass sie mit 27 PS auch schon durch die ganze Welt gekommen sind.

Die Mopedfahrer, die ich herzlich begrüße, freuen sich über die PS-Zahlen ihrer Simson gegenüber den neuen Modellen aus nah und fern.

Die Fahrer von großvolumigen V-2-Motoren lächeln milde über diese Frage, schließlich macht der Hubraum den Dampf von unten raus.

Endurofahrer sind sicher der Meinung: „Zu viel und ze wing, is alles e Ding.“

Wir werden uns bei dieser Frage bestimmt nicht einig. Gut, dass am Ende jeder das Motorrad fahren darf, das für ihn oder sie das richtige ist.

Ich habe gleich noch so eine Frage an euch: Wie kraftvoll muss Glaube sein?

Wird es hier einfacher mit den Antworten?

Ich glaube nicht. Denn es wird bei den Antworten entscheidend sein, welche Rolle der Glaube in deinem Leben spielt.

Spielt er keine Rolle hast du über diese Frage vermutlich noch nie nachgedacht. Dir reicht ein bisschen Religion.

Spielt Glaube eine wichtige Rolle in deinem Leben, wirst du dich vermutlich manchmal nach mehr Power sehnen, so wie wir, als wir in den Anfängen dieses Treffens mit einem VW-T3, einem riesigen Anhänger, ein tonnenschweres Zelt aus Lauterbach bei Stolpen holten. Am Wilsdrufer Berg, auf der A4 wurde aus dem Wunsch nach mehr Power Verzweiflung, weil einem jeder abgewrackte Uralt-Lkw überholte und so mancher Trucker einem gern aus dem Weg geschoben hätte.

Mehr Power im Glauben?! Mit diesem Wunsch bist du auf keinen Fall allein.

Selbst die engsten Freunde von Jesus die Jünger wünschen sich dies.

Der Abschnitt beim Evangelisten Lukas ist kurz und hört sich so an:

Von der Kraft des Glaubens

5 Eines Tages sagten die Apostel zum Herrn: »Stärke unseren Glauben.« 6 »Wenn euer Glaube nur so klein wäre wie ein Senfkorn«, antwortete der Herr, »könntet ihr zu diesem Maulbeerfeigenbaum sagen: `Du sollst dich entwurzeln und ins Meer werfen´, und er würde euch gehorchen!

Was für ein erschreckender Dialog?

Da strengen sich die Jünger nun wirklich an, wir stehen ihnen oft in nichts nach und dennoch haben wir das Gefühl, als ob wir mit angezogener Handbremse glaubten. Es reicht hinten und vorn nicht.

Da gibt es Christen, bei denen sich scheinbar jedes Gebet erfüllt.

Mittlerer Weise weiß, ich aus eigener Beobachtung, dass es nicht selten ein Umdeuten des eigenen Gebets war, wenn doch mal was nicht funktionierte.

Ich kenne das selbst, das Gefühl, dass der Glaube kraftlos ist. Nicht nur einmal habe ich um Heilung für einen Menschen gebeten und es passierte nichts.

Nun kann es an meinem Glauben liegen, aber ätzend wird es dann, wenn man dem Kranken vorwirft: Er würde nicht richtig glauben und deshalb gäbe es das Wunder nicht.

Manch einer glaubt an Gott, vertraut ihm aber nicht. Und, trotz allem Vertrauen wird am Ende Gottes Wille und nicht unserer geschehen.

Wer von uns kann schon den Glauben eines anderen bewerten?

Ich kann nur ein Kriterium abfragen, nämlich: Ist Jesus Christus dein Herr?

Sagst du ehrlichen Herzens „Ja“, dann bist du ohne Wenn und Aber gerettet.

Sagst du „Nein“, dann brauchst du Jesus um gerettet zu sein. Alles andere ist vergebliche Müh.

Ich bin noch immer entsetzt über die Antwort die Jesus seinen Freunden gibt.

Würde jemand in der Seelsorge so mit mir sprechen wäre ich das Letzte mal bei ihm gewesen.

Vielleicht ist es wichtig, sich einmal die Umstände anzuschauen.

Fangen wir an.

Jesus erzählt zuvor jede Menge Gleichnisse, mit denen er den Menschen die Tiefe des Glaubens erläutern möchte.

Da gibt es das Gleichnis vom Verlorenen Schaf, vom verlorenen Sohn, vom ungerechten Verwalter oder vom reichen Mann und dem armen Lazarus.

Jedes Gleichnis hat einen anderen Schwerpunkt.

Beim verlorenen Schaf geht es darum, dass Jesus wie ein guter Hirte verlorene Schafe sucht, zurückbringt zur Herde und für die Herde sorgt.

Beim verlorenen Sohn geht es darum, dass du nicht zu tief gesunken sein könntest, um nicht wieder zu Gott zurück zu kommen.

Beim ungerechten Verwalter geht es um den Umgang mit den uns anvertrauten Dingen und stellt klar, dass wir einmal Rechenschaft vor Gott ablegen müssen. Zugleich belichtet es unsere Liebe zum Geld, zum Besitz.

Beim reichen Mann und dem armen Lazarus geht es darum, dass gesellschaftliches Ansehen einen nicht in den Himmel bringt. Armut ist kein Hindernisgrund für Gottes ewiges Reich, sondern ist eher hilfreich, weil wir uns dann nicht auf uns und die Möglichkeiten des Geldes verlassen, sondern mehr auf Gott.

Anschließend spricht Jesus unmittelbar vor unserem heutigen Predigttext eine Warnung vor der Verführung aus.

Damit ist nicht nur die sexuelle Verführung gemeint, sondern all die Dinge, die in der Lage sind uns zu verführen. Dazu zählt vieles wie z.B. Hochmut, falsche Selbstsicherheit, Reichtum, eine liberale Haltung gegenüber Gott uvm.

Schließlich geht es um die Vergebung. Jesu Rat dazu heißt:
„Wenn dein Bruder sündigt, dann ermahne ihn, und wenn er Reue zeigt und von seinem Weg umkehrt, vergib ihm. 4 Und wenn er dir sieben Mal am Tag unrecht tut und jedes Mal umkehrt und um Vergebung bittet, vergib ihm.«

Und, nun kommt die Bitte der Jünger um die Stärkung des Glaubens.

Es geht nicht um Wunder. Es geht nicht darum, dass die Jünger wir Jesus Kranke fast im Vorbeigehen heilen können. Sie wünschen sich einen starken Glauben, um vergeben zu können.

Ist doch gar nicht schwer, denkst du?!

Wir sind ganz anders groß geworden. Damals lebte man in den Zeiten der Rache.

D.h.: Den Schaden, den du mir zugefügt hast, darf ich dir auch zufügen und noch eins oben drauf satteln.

Vergebung? Sieben Mal am Tag? Unvorstellbar für Männer, wie es die Jünger waren.

Wie oft kannst du jemandem vergeben?

Wie schnell gerätst du an deine Grenzen?

Die sieben Mal in der Rede von Jesus ist keine mathematische Zahl, sondern die Sieben ist die Zahl der Vollkommenheit. Du sollst vollkommen vergeben.

Wie viele Beziehungen und Freundschaften sind schon daran zerbrochen, dass man sich nicht vergeben kann?

Gerade in den beiden letzten Jahren haben sich Freunde und Familien entzweit, sind im Streit auseinander gegangen z.B.: über die Frage, impfen oder nicht.

Und viele erheben diese Frage in den Rang einer Glaubensfrage. Ist es das wirklich? Oder lässt sich damit nur leichter argumentieren, wenn wir sozusagen Gott als Begründung hinzunehmen?

Unterschiedliche Brüder und Schwestern im Glauben, ernsthafte Christen kommen zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen in dieser Frage. Das ist nicht schön, aber das ist auch noch nicht schlimm. Immerhin leben wir schon seit Jahrzehnten mit den unterschiedlichen Antworten auf die Frage, ob man als Kind oder als Erwachsener getauft werden sollte.

Schlimm ist es aber, wenn wir dem anderen der genauso wie wir selbst Jesus seinen Herrn nennt, seinen Glauben absprechen, seinen Glauben für minderwertig halten.

Da kenne ich einen, der hält sich da den Bauch vor Lachen. Es ist der Gegenspieler Gottes, der Teufel.

Wir werden neu lernen müssen unterschiedliche Meinungen auszuhalten, auch unter Christen, in den Gemeinden und in Freundschaften und Familien.

Wir werden lernen müssen, dass unsere Entscheidungen Konsequenzen haben werden. Das ist eigentlich nicht neu. Die Bibel ist voll mit Geschichten, die das verdeutlichen, aber wir haben es verlernt.

Wir brauchen einen starken Glauben um durchzuhalten.

Wir können unterschiedlicher Meinung sein, wie viele PS ein Motorrad braucht.

Wir können unterschiedlicher Meinung über eine Impfung sein.

Wir können unterschiedlicher Meinung sein, was denn die richtige Entscheidung bei der anstehenden Wahl ist.

Aber wir sollten keinesfalls unterschiedlicher Meinung darüber sein, dass Gott die Welt geschaffen hat. Das Jesus der Herr ist. Das gerettet ist, wer Jesus seinen Herrn nennt und dass es ein Leben nach dem Tod gibt.

Schon dafür brauchen wir einen starken Glauben, rütteln doch immer mal Zweifel an unserem Stamm.

Hast du schon einmal ein Senfkorn auf der Hand gehabt?

Es ist wirklich winzig klein. Maximal einen Millimeter groß.

Hatten die Jünger wirklich keinen Glauben, der im Verhältnis gesehen nicht einmal so groß wie ein Senfkorn war.

Haben wir selbst auch nur so einen winzigen Glauben?

Ich frage dich Jesus, wie du das gemeint hast?!

Wäre eine Welt erstrebenswert, in der jeder Christ mit Senfkornglaube seinen Wunsch erfüllt bekäme?

Ich wünschte mir ein Motorrad mit 200PS. Zack, es stünde in der Garage.

Meine Mutter wünschte sich, dass ich ein Motorrad mit 27PS fahren würde, Ich bin ihr zu schnell unterwegs. Zack, hätte ich wieder eine XS 400 in der Garage stehen.

Nun höre ich schon, diejenigen die sagen, na nimm doch mal nicht so ein banales Beispiel!

Ist der zu entwurzelnde Maulbeerfeigenbaum der ins Meer geworfen werden soll tiefgreifender?

Glaube muss in guten Sinne banal sein. Es geht nicht um verkopfte hohe, aber lebensferne Theologie.

Worin liegt die Stärke des Senfkorns?

Klar, es macht aus einer Bratwurst eine leckere Bratwurst. Und,
aus dem winzigen Samen wird ein riesiger Strauch.

Jesus gebraucht das Senfkorn noch einmal an anderer Stelle (Matthäus 13):  31Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte; 32das ist das kleinste unter allen Samenkörnern; wenn es aber gewachsen ist, so ist es größer als alle Kräuter und wird ein Baum, dass die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen in seinen Zweigen.

Gottes Reich ist nicht gleich stark und groß. Es wächst. Jesus sät einen Senfkornglauben in die Herzen der Jünger. Von nun ab wächst es seiner vollen Entfaltung entgegen. Seine volle Entfaltung kommt erst noch und selbst solche komischen Vögel, wie du und ich, werden darin Platz haben, wenn unser Glaube stark wird, ist oder bleiben wird, wenn die Verführungen kommen.

AMEN.



Roberto Jahn