Mogo Predigt 27.09.2020 Scheibenberg

Predigt zum Mogo Scheibenberg 27.9.2020

Thema: „Hab Mut und sei treu!“

Predigttext: 2. Timotheus 1,7-10


7 Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern einen
Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.


8 Schäme dich also niemals, vor anderen Menschen unseren Herrn zu
bezeugen. Und schäme dich auch nicht für mich, obwohl ich für Christus im
Gefängnis bin. Sei vielmehr durch die Kraft, die Gott dir gibt, bereit,
gemeinsam mit mir für die Verbreitung der guten Botschaft zu leiden.
 

9 Gott hat uns erlöst und berufen; nicht aufgrund unserer Taten, sondern weil
er schon lange, bevor es die Welt gab, entschieden hatte, uns durch Christus
Jesus seine Gnade zu zeigen.
 
10 Nun ist uns das alles durch das Kommen unseres Retters Jesus Christus
offenbart worden. Er hat die Macht des Todes gebrochen und mit der guten
Botschaft den Weg zum ewigen Leben ans Licht gebracht.

Als im März/April diesen Jahres die sogenannte Corona-Pandemie um sich griff,
wurde mir und sicher auch vielen anderen ganz deutlich, wie die Angst unter
den Menschen Fuß fasste und tagtäglich mit Berichten und Zahlen durch die
Medien weiter geschürt wurde und wie mit Verordnungen von krassen
Kontaktverboten, Besuchsverboten in Alten- und Pflegeheimen, Schul- und
Kita-Schließungen alte Menschen und junge Familien an den Rand der
Verzweiflung getrieben wurden.
 
Da ist mir damals ein Bibelwort von Pastorin Käßmann im Fernsehen in mein
Herz gesprochen worden.

Es ist der erste Vers unseres heutigen Bibeltextes.

Ich habe ihn damals mit Kugelschreiber auf ein kleines Blatt Papier geschrieben
und an meine Schreibtischlampe, direkt vor meine Nase gehängt.

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der
Liebe und der Besonnenheit!“  - nach Luther

Dieser Spruch hängt noch heute da und ich habe ihn schon zigmal gelesen.
 
Und plötzlich ist dieser Vers für den heutigen Sonntag ein Teil des Predigttextes
– krass, oder? Die Bibel ist doch so dick!

Nun, wer schreibt denn diesen Vers bzw. diese Verse und an wen sind sie
gerichtet?

In welcher Situation befindet sich der Empfänger, dass er solche deutliche
Ansprache braucht?

Paulus, der Reiseprediger und Apostel schreibt diesen Brief an den jungen
Timotheus, seinen „Sohn im Glauben“ – so nennt er ihn.

Zu dem Zeitpunkt sitzt Paulus im Gefängnis in Rom und wartet letztlich auf
seine Hinrichtung. Er wurde im Zuge der Christenverfolgung durch Kaiser Nero
verhaftet – in dieser Situation schreibt er gegen die Angst – welche Kraft und
welches Vertrauen hat Paulus

Timotheus, der Empfänger des Briefes wurde wahrscheinlich bei einem Besuch
von Paulus in Lystra Christ. Lystra, das liegt im Süd-Westen der heutigen Türkei
und war die Heimatstadt der Eltern und Familie von Timotheus.

Später reiste Timotheus mit Paulus gemeinsam. Sie besuchten die neu
gegründeten Gemeinden hauptsächlich im Gebiet der heutigen Türkei und
Griechenlands.
 
Zum Teil reiste Timotheus auch ganz allein und wurde von Paulus zu
bestimmten Aufgaben in die Gemeinden geschickt.

Den Brief erhielt Timotheus, als er gerade in Ephesus, an der Westküste der
heutigen Türkei war. Dort unterrichtete er die Christen einer relativ neuen
Gemeinde und versucht leitende Mitarbeiter zu finden und auszubilden.

Warum schreibt aber nun Paulus an Timotheus: „Gott hat uns nicht gegeben
den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“?

Nur einen Vers vorher, im Vers 6 finden wir die Antwort.  

Dort schreibt Paulus: „Aus diesem Grund erinnere ich dich daran, dass du
erweckest die Gabe Gottes, die in dir ist.“ – Vers 6 nach Luther

In einer anderen Übersetzung steht: „Aus diesem Grund erinnere ich dich
daran, die Gnadengabe Gottes wieder anzufachen…“

Anfachen tut man ein Feuer, das droht auszugehen.

Bei Timotheus war das Feuer, das Feuer für Jesus, wahrscheinlich sehr klein
geworden. Vielleicht drohte es sogar zu verlöschen.  

Das war seine Situation.

Und was waren die Gründe dafür?

Nero verfolgte die Christen radikal, da spielte die Angst sicher eine große Rolle
auch selbst eingebuchtet und hingerichtet zu werden so wie Paulus.

Und Paulus stand kurz vor seiner Hinrichtung.

Trotz dieser Situation macht Paulus dem Timotheus Mut und schreibt im Vers
8: „Schäme dich also niemals, vor anderen Menschen unseren Herrn zu
bezeugen und schäme dich auch nicht für mich, obwohl ich für Christus im
Gefängnis bin.“

Also hatten Angst und Scham bei Timotheus so nach und nach Einzug gehalten.
Ja, er war eben auch nur ein Mensch!

Und daher macht nun Paulus dem jungen Timotheus Mut.

Er schreibt ihm, dass Gott ihn erlöst und berufen hat, nicht weil er, Timotheus,
ein feiner Kerl ist, nein, weil Gott schon bevor es die Welt gab sich entschieden
hatte, durch Jesus ihm und allen Menschen seine Gnade zu zeigen, offen zu
legen.

Das war nun erst vor kurzem eingetreten. Jesus hatte gelebt, gewirkt und hat
die Macht des Todes gebrochen und damit den Weg zu einem Leben, einem
ewigen Leben bei Gott geebnet.

Das macht Paulus dem jungen Timotheus in diesen Versen wieder ganz neu
bewusst.
 
Und was geht dich und mich das heute an?

Ich denke, es gibt auch manchen Timotheus unter uns.
 
Da meine ich nicht den Macher Timotheus, den Gemeindebauer und treuen
Mitarbeiter. Die gibt es sicher hier auch.

Nein, ich meine mehr den ängstlichen, den mutlosen, den Timotheus, der sich
schämt von seinem Glauben an Jesus zu erzählen und der ganz menschlich
Angst vor dem Gefängnis und vor einer möglichen Hinrichtung hat.

Kann sein, dass du dieser Timotheus der Gegenwart bist?

Hast du Angst, für deinen Glauben belächelt zu werden oder schämst du dich
vor deinen Arbeitskollegen, vor deinen Nachbarn, deinen Freunden oder sogar
vor deiner Familie oder deinem Partner dafür?

Hast du Angst davor, dass man dich auslacht und das Bild vom starken Mann
oder der starken Frau tiefe Kratzer bekommt oder gar auseinanderfällt?

Hast du Angst, nicht mehr ernst genommen zu werden oder als frommer
Spinner zu gelten?

Treibt es dir die Schamesröte ins Gesicht und die Schweißperlen auf die Stirn,
wenn der Name Jesus auf Arbeit, in der Schule oder unter Freunden fällt?

Ich kann das alles sehr gut verstehen. So ist es mir auch mal gegangen. Das
habe ich alles erlebt.

Und weil es dir und mir heute genau so geht wie damals den Christen auch,
genau deswegen steht ein solcher Brief an Timotheus in der Bibel.

Fast 2000 Jahre ist dieser Brief alt und hat nichts, aber auch gar nichts an
Aktualität verloren. Das hat übrigens die gesamte Bibel nicht.

Nun kannst du sagen: Naja, Angst muss doch heute keiner mehr haben.
Schließlich ist die Zeit von Nero, der Christen eingefangen, eingesperrt und
schließlich wie Jesus, ans Kreuz gehängt oder vor wilde Tiere geschmissen hat,
vorbei.

Das mag schon sein, aber solche Neros gibt es heute auf der Welt nicht nur
einen, es gibt viele und der vielleicht schlimmste ist Kim Jong-Un, der oberste
Führer Nordkoreas.
 
Ja, besonders in muslimischen Ländern des nahen und fernen Ostens und
Nordafrikas ist die Christenverfolgung an der Tagesordnung.

Mag sein, aber bei uns in Deutschland ist das ja nun kein Thema – oder?

Aber wie lange noch.
 
Hast du dich schon mal in der Öffentlichkeit mit klaren Aussagen der Bibel z.B.
über das Leben von Jesus, seinem Sterben und Auferstehen, über das Leben
nach dem Tod, das Gericht und die Hölle, die den Gottlosen droht, oder über
Abtreibung, die Aussagen der Bibel über Mann und Frau, Ehe und Familie oder
anderen ähnlichen Themen geäußert?

Wenn nicht, dann versuche es mal. Du wirst Anfeindung, Hohn und Spott
erleben. Allein mit welchem Hass Gegendemonstranten zum Marsch des
Lebens schreiend agieren, hat mich schockiert.

Wer will das schon?

Also doch besser still sein und der schleichenden Angst ausweichen – oder?

Ich hab es nicht nur einmal so gehalten. Wer möchte nicht gerne seinen
Frieden und seine Ruhe haben? Ich kenn das sehr gut!

Allerdings ist eins klar: „Gott hat uns nicht gegeben einen Geist der Furcht, der
Angst.“

Angst kommt also nicht von Gott.
 
Der Mensch hat mit der Angst einen Selbstschutzmechanismus entwickelt,
damit er vor Gefahr wegläuft.

Angst ist also menschlich, aber sie ist keinesfalls göttlich, also von Gott.

Ja es stimmt, Jesus hatte auch Angst. Er hat vor seiner Gefangennahme im
Garten Gethsemane Blutschweiß auf der Stirn gehabt.

Seine Angst galt allerdings nicht den Menschen. Jesus hat sich völlig angstfrei
mit seinen Gegnern, meist den religiösen Politikern seiner Zeit angelegt. Er
hatte mit ihnen permanent Streit und ist sie zum Teil sehr scharf angegangen.

Ich meine, das würde er heute sicher ganz genau so tun. Es gab und gibt nur
wenige, die in Verantwortung vor Gott versuchen in der Politik Gutes zu
bewegen, leider meist ohne großen Erfolg.

Nein, die Angst die Jesus hatte, galt Gott selbst.

Jesus hatte Angst vor der Trennung von Gott, Angst, in das Totenreich gehen zu
müssen. Und er musste dorthin. Das bedeutet Trennung von Gott.

 „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ hat Jesus noch am
Kreuz vor seinem Tod gerufen.

Hast du Angst, von Gott verlassen zu werden, Gottesferne zu erleben? Das ist
die Hölle.

Oder hast du eher Angst mit Gott, mit Jesus konsequent zu leben und davon zu
reden?

Paulus sagt dir, rede von Jesus, schäme dich nicht, hab keine Angst, denn wenn
du mit Jesus lebst, lebst du in der Nähe Gottes, in Gemeinschaft mit ihm. Dann
bekommst du bzw. hast du den Geist der Kraft, den Geist der Liebe und den
Geist der Besonnenheit.

Der Geist der Kraft ist ein von Gott gegebenes Hilfsmittel, das du zur
Bewältigung aller Versuchungen und Gefahrensituation brauchst. Diese Kraft ist
eine wirksame, eine geistliche Energie. Sie bewirkt festes Vertrauen und
Gelassenheit.

Der Geist der Liebe ist eine Art von Liebe, die sich darum müht, Gott zu
gefallen, so wie ein frisch verliebtes Mädchen ihrem Freund gefallen möchte,
und die das Wohlergehen anderer im Auge hat und dabei über dem eigenen
Wohlergehen steht.

Der Geist der Besonnenheit - der Geist der Zucht steht in etwas älteren
Bibelübersetzungen. Sie ist das Geschenk eines disziplinierten, eines
selbstbeherrschten Gedankenlebens mit den richtigen Prioritäten und diese
Besonnenheit ist das Gegenteil von Angst und Feigheit.

Kraft und Liebe und Besonnenheit, das sind die Geschenke Gottes an dich.
Auspacken musst du sie allerdings selbst und dann als Geschenk auch
annehmen und nutzen.

Der Zettel mit diesem Bibelvers aus 2.Timotheus 1,7 hängt nun immer noch an
meiner Schreibtischlampe vor meiner Nase und ich lasse ihn auch dort hängen.
 
Ich habe den Vers ja damals besonders wegen der Angst vor Corona und den
möglichen Auswirkungen aufgehängt und ich kann bezeugen, die Angst vor
Krankheit und Tod hat mir mein Herr komplett genommen.

Ich weiß mich im Leben wie auch im Sterben in Gottes Hand. Das wünsche ich
jedem von euch ebenfalls von ganzem Herzen.

Und immer, wenn mich wieder irgend eine Angst beschleichen will, dann lese
ich den Vers, sooft, bis ich auch ohne Zettel den Spruch einfach fest in meinem
Kopf verankert habe.

Nun zum Schluss nochmal meine Frage an dich:

Vor wem oder was hast du Angst?

Hast Du Angst, Jesus in deinem Leben den Boss sein zu lassen? Hast du Angst
vor diesem Schritt, dieser Konsequenz?

oder

Hast du Angst über dein Leben mit Jesus oder über Jesus selbst mit anderen zu
reden und schämst du dich dabei?

oder

Hast du Angst wieder von Jesus, von Gott weg zu kommen, weil der Alltag dich
auffrisst und mürbe macht und du bei fast jedem Gebet einschläfst?

Egal welche dieser drei Ängste oder welche anderen Ängste du auch immer
hast.

Jesus kennt dein Herz und will dir genau diese Ängste, ja alle deine Ängste
nehmen und dich Angstfrei machen und er hat das Geschenk seiner Kraft,
seiner Liebe und seiner Besonnenheit unter vielen anderen Geschenken zum
Überreichen an dich bereits in seiner Hand – Greif zu!

  Amen.

Stefan Markus, 27.09.2020