Mogo Predigt 13.09.2020 Rätzteich

Predigt zum Mogo Rätzteich 2/2020


Predigttext: Lukas 19, 1-10

Jesus und Zachäus

1 Jesus kam nach Jericho und ging durch die Stadt.

2 Dort lebte ein Mann namens Zachäus. Als einer der mächtigsten Steuereintreiber war er sehr reich.


3 Zachäus hatte versucht, einen Blick auf Jesus zu werfen, aber er war zu klein, um über die Menge hinweg schauen zu können.

4 Deshalb lief er voraus und kletterte auf einen Maulbeerfeigenbaum am Wegrand, um Jesus von dort aus vorübergehen zu sehen.


5 Als Jesus kam, blickte er zu Zachäus hinauf und rief ihn beim Namen: »Zachäus!«, sagte er, »komm schnell herunter! Denn ich muss heute Gast in deinem Haus sein.«


6 Zachäus kletterte, so schnell er konnte, hinunter und geleitete Jesus voller Aufregung und Freude in sein Haus.


7 Doch den Leuten in der Menge gefiel das nicht. »Bei einem berüchtigten Sünder kehrt er als Gast ein«, murrten sie.


8 Währenddessen stellte Zachäus sich vor den Herrn hin und sagte: »Herr, ich werde die Hälfte meines Reichtums den Armen geben, und wenn ich die Leute bei der Steuer betrogen habe, werde ich es ihnen vierfach erstatten!«


9 Jesus erwiderte: »Heute hat dieses Haus Rettung erfahren, denn auch dieser Mann ist Abrahams Sohn.


10 Der Menschensohn ist nämlich gekommen, um Verlorene zu suchen und zu retten.



Eine tolle Geschichte wird uns da berichtet. Sie beinhaltet allerdings zwei Gefahren.
1. Sie ist so bekannt, dass die regelmäßigen Gottesdienstbesucher vielleicht denken: Och nicht schon wieder diese Geschichte. Ich weiß darüber ja schon alles. Ich hoffe, ihr entdeckt Neues!

2. Sie ist aus einer Zeit, einem Land, die uns meist unbekannt ist.

Damals gab es noch Zöllner an den Toren jeder Stadt. Solch eine Zollstelle konnte man pachten.

Dabei wanderte ein Teil des Geldes an den König und der andere Teil, meist nicht unerheblich, in die eigene Tasche.

Zölle legte der jeweilige Zöllner selbst fest. Die Nachfrage klärte den Rest. Aber offensichtlich war es möglich, hohe Zölle zu verlangen, sonst hätte Zachäus nicht so reich sein können. Vermutlich lief es, wie es heute an anderen Stellen immer noch läuft. Es gibt Absprachen, es gibt Kartelle.

Zachäus lebt in Jericho, eine Stadt die es heute immer noch gibt und die ziemlich in der Mitte Israels liegt. Etwas nördlich vom Toten Meer. Hier kreuzten und kreuzen sich die Handelsstraßen von Nord nach Süd und von Ost nach West.

Beste Voraussetzung für eine florierendes Steuereinnahmegeschäft.

Zachäus war reich. Nein, das stimmt ja gar nicht, denn es heißt: Er war sehr reich und mächtig.

Wir sehen, in manchen Punkten ändert sich die Welt nicht. Reichtum und Macht gehen meist eine Ehe ein.

Seine Macht und sein Reichtum bescheren ihn aber nicht nur Freunde. Im Gegenteil. Wir merken in der Geschichte rasch, wie unbeliebt Zachäus war.

Zachäus hat ein Handicap. Er ist offensichtlich kein Riese. Er war zu klein, um über die Masse am Straßenrand hinweg zu sehen und einen Blick auf diesen bekannten Wanderprediger Jesus zu werfen.

Für manch einem am Wegesrand sicher eine gute Gelegenheit, diesen unbeliebten Zöllner mal so richtig auflaufen zu lassen, es ihm mal so von hinten durch die Brust so richtig zu zeigen, wo der Hammer hängt.

Solch eine Chance lassen wir uns ja heute auch nicht entgehen. Ich vermute, wir können die Leute am Wegesrand durchaus verstehen.

Zachäus ist aber zielstrebig. Manch anderer hätte aufgeben, wäre zurückgegangen an sein Stadttor, hätte geschmollt und gleich mal den Zoll für die nächsten 3 Tage hoch gesetzt.

Er setzt etwas anderes hoch, nämlich sich selbst. Er klettert auf einen Maulbeerfeigenbaum und setzt sich in die Krone, um doch noch sein Ziel zu erreichen.

Hier ziehe ich den Hut vor dem ungeliebten Zöllner. Nichts schreckt ihn scheinbar ab, um Jesus zu sehen. Hatte er schon mehr von ihm gehört? Hatte er vielleicht mehr vor? War es reine Neugier oder vielleicht die Sehnsucht, dass sich in seinem Leben, doch mal was ändern müsste.
Dieser Jesus hatte doch schon vielen geholfen.

Wir wissen es nicht und erfahren es auch nicht aus dem Bericht.

Vielleicht war er auch Fan. War fasziniert von den Berichten über Jesus?!

So mancher Fan tut verrücktes Zeug, um seinem Idol mal nahe zu kommen, wie z.B. Stefan. Fanatischer Fussballfan. Schlimmer noch: Bayern München Fan.

Es war ein Sieg für die Ewigkeit bei den Bayernfans: Die Münchner siegen gegen Real Madrid im Elfmeterschießen und ziehen ins Finale dahoam ein.

Einem Fan war es besonders wichtig, seine Mannschaft zu unterstützen. Stefan aus Deisenhofen verpasst spontan seinen Flieger aus dem Urlaub, weil er das Stadion nicht verlassen wollte. "Bayern hat noch nie verloren, wenn ich da war", sagte der verrückte Fan später. Seinem Arbeitgeber hat die Vernarrtheit wohl nicht so gut gefallen, großartige Konsequenzen erwarteten ihn jedoch nicht.

Ich selbst bin da eher etwas leidenschaftslos in dieser Beziehung. Zachäus ist da eher auf der gleichen Welle mit Stefan aus Deisenhofen.

Wird er Jesus sehen? Wird er an seinem Baum vorbeikommen oder geht er noch vorher in die baumlose Seitengasse?

Jesus kommt bei ihm vorüber und noch besser, er blickt Zachäus in die Augen und setzt noch eines und noch eins und noch eins oben drauf.

Das muss für Zachäus wie eine Kanonade gewesen sein

   1. Jesus spricht Zachäus mit Namen an. Wie geht das? Egal, 
      Zachäus ist happy.
   2. Er fordert Ihn auf vom Baum herunter zu kommen. Jesus legt 
       wert auf eine Begegnung mit ihm. Dass Zachäus in diesem
       Augenblick von allen gesehen wird und dass die Ersten schon
       lauthals Lachen, ist ihm egal.
   3. Jesus kehr bei Zachäus ein. Er muss sein Gast sein.

Alles das passiert. Zachäus runter vom Baum, immer vornweg vor Jesus mit seinen Jüngern und der zweifelnden Maße. Immer zurückschauend, ob dieser Jesus tatsächlich zu ihm kommt oder will der mich nun auch bloß verarschen? Aber aus den Zweifeln wird Gewissheit. Jesus kommt in mein Haus.

Ohne Aufforderung, ohne Predigt über die Gefahr des Reichtums, ohne Schelte wegen der zu hohen Zölle – einfach so ergreift Zachäus die Initiative: »Herr, ich werde die Hälfte meines Reichtums den Armen geben, und wenn ich die Leute bei der Steuer/Zoll betrogen habe, werde ich es ihnen vierfach erstatten!«

Aber gerade die Frommen haben scheinbar keinen Blick für die Veränderung im Leben des Zachäus, sie hören nicht was er sagt. Zu sehr sind sie mit ihrem Ärger über Jesus beschäftigt, dass der gerade sich mit solch einen Mann abgibt. Da gäbe es doch wirklich verdientere Honoratioren in der Stadt. Und, jeder denkt dabei zuerst an sich selbst.

Vielleicht entdeckst du dich selbst wieder in einer der Figuren des Berichts?!

Am erstaunlichsten ist für mich aber die Veränderung des Zachäus.
Eine Begegnung mit Jesus verändert das Leben.
Nicht nur das von Zachäus, sondern auch deines, wenn du eine Begegnung suchst.

Wenn du Jesus meidest, wie die Katze das Wasser, dann brauchst du dich nicht zu wundern, dass es immer nur so Begegnungen an der Oberfläche bleiben und sich so gut wie nichts in deinem Leben verändert.

Zachäus hält die Tür nicht von innen zu und lässt Jesus nicht hinein, sondern er öffnet ihm alle Türen.

„Bei Geld hört die Freundschaft auf.“ Kein schöner Spruch, aber oft einfach die Wahrheit.

Wir können uns mit Freunden und Bekannten über alles unterhalten, nur beim Geld scheiden sich ganz schnell die Geister.

Wir haben den Eindruck, dass das niemanden etwas angeht. Das ist sozusagen unser Privatestes.

Wer Jesus in sein Leben lässt, muss wie der Zöllner auch mit ihm über das Verhältnis zum Geld und Besitz reden.

Wenn Zachäus Jesus mit „Herr“ anspricht, dann ist das keine Anrede wie: Herr Müller, Herr Neumann oder Frau Nestler.

Er meint den Herrn, wie ihn ein Diener ansprach. Er meint es mit Jesus ganz ernst. Jesus wird ab sofort nicht mehr nur das fünfte, meist überflüssige Rad, das Ersatzrad sein, welches man nur mal zur Hilfe nimmt, wenn gar nichts anderes mehr geht.

Zachäus macht Jesus zum Lenkrad.

Was darf Jesus in deinem Leben sein?

Ersatzrad oder Lenkrad?

Bestimmer oder der, den man mal um Rat fragt?

Ist er Herr und du sein Diener, oder willst du gern selbst Herr bleiben?

Aus der Sicht der Welt und ihrer Maßstäbe musst du Herr sein.

Doch Jesus stellt unsere Maßstäbe auf den Kopf.

Du kannst Jesus nicht ebenbürtig sein. Wir, ich und du, wir können nur Diener sein.

Leg dich fest. Was willst du?

Zu Zachäus kann Jesus am Ende seines Besuchs sagen: Dir und deinem Haus, ist heute Rettung widerfahren.

Wenn Jesus bei dir Dauergast wird, hat das Auswirkung auf dein Haus, auf alle die mit dir leben.

Wenn Jesus von der Rettung spricht, meint er, dass ein Mensch nicht mehr in Beziehung zu seinen Göttern, wie Reichtum, Karriere oder… lebt, sondern in einer festen Beziehung zu Gott.

Was hat man am Ende davon? Was hat man davon Diener Gottes zu sein und Gott seinen Herrn zu nennen?

Es kann sein, dass einem die bis dahin, besten Freunde auslachen.
Es kann sein, dass sich Menschen, selbst aus der Familie von einem abkehren und dich für einen frommen Spinner halten.

Aber es wird sein, dass du zu den Geretteten gehörst. Das ewige Leben, dass manche für genau so eine Illusion halten wie dessen Versprecher Jesus, - dieses ewige Leben ist dir sicher.

Wenn es etwas gibt, worüber Christen immer wieder reden sollten, dann ist es diese Wechselwirkung aus Jesus seinen Herrn nennen und das ewige Leben haben.


  Amen.