Mogo Predigt 6.09.2020 Kloster Altzella

Predigt zum Mogo Kloster Altzella

Predigttext: „Apostelgeschichte 6 1-7“
Wir Mensch können uns das Leben gegenseitig schon ziemlich schwer machen. Zumeist sind es die kleinen Unterschiede, welche zu Unstimmigkeiten und in der Folge sogar zum Streit führen können.

Ich stehe heute hier in meiner Motorradklamotte, der Helm und die Jacke liegen am Motorrad. Und ich habe euch noch eine andere Zweiradbekleidung mitgebracht. Richtig, mein Strampelanzug und den Helm fürs Fahrrad. Die Klamotten sind völlig verschieden, das Prinzip von Motorrad und Fahrrad im Grunde das Gleiche! Beides sind Balancefahrzeuge. Ich muss beim Losfahren so lange das Gleichgewicht halten, bis die Kreiselkräfte wirken und ich somit nicht mehr umfallen kann. Noch ein Beispiel.

Versuch einmal in lässigen Motocross Klamotten und mit dem zugehörigen Crosshelm, mit Vordach, den Rundenrekord auf einer MotoGP Maschine zu knacken. Oder eben genau anders herum, im Rennoutfit auf einer Enduro durch den matschigsten Crossparkur. Geht vielleicht, aber nicht so richtige.

Ich denke nicht das diese Überlegungen bei uns Motorradfahren zum Streit führen. Wir wissen unsere Helme, unsere Motorradkombis, unsere Jacken und Hosen müssen eine Funktion erfüllen. Sie sollen uns bei einem Sturz bestmöglich schützten und trotzdem gute Sicht und Bewegungsfreiheit bieten.

Unser heutiger Bibeltext berichtet von einer ähnlichen Situation. Der Grundgedanke ist der gleich aber in der Ausführung gibt es Verständigungsprobleme. Wir lesen diese Worte in der Apostelgeschichte. Die Apostelgeschichte berichtet von den allerersten Christen und ihrem Leben. Die Apostel, also die Jünger, die Jesus leibhaftig als Mensch erlebt haben, erzählen die Botschaft von Gottes Rettungsplan für die Menschen weiter. Die Berichte am Anfang der Apostelgeschichte spielen noch im Großraum von Jerusalem. Viele Menschen hören davon und nehmen diese gute Nachricht für sich auf. Und so wächst die Gemeinde sehr schnell. Daraus ergeben sich natürlich auch Probleme, die natürlich gelöst werden müssen.

Hier nun die Wort aus der Apostelgeschichte.

In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung.
Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und zu Tische dienen.
Darum, liebe Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Geistes und Weisheit sind, die wollen wir bestellen zu diesem Dienst.
Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben.
Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Proselyten aus Antiochia.
Diese stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten ihnen die Hände auf.
Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.

Der Herr segne sein Wort an uns!

Hier wird von der Entstehung des ersten diakonischen Werkes berichtet. Das diakonische Werk ist so eine Art ADAC für Menschen die in ihrem Leben auf der Strecke geblieben sind. Wenn dir der ADAC, möglichst unkompliziert helfen soll, dann wir wirst du am besten Mitglied dieser Gemeinschaft. Denn ein Zeichen einer Gemeinschaft ist es, sich gegenseitig zu tragen und zu helfen, so wie auch unter Motorradfahren. Dieses Interesse füreinander hört nicht nach dem Bikergruß auf. Ich habe es selbst erlebt und es war mir sogar ein wenig peinlich.

Vor einigen Jahren, auf dem Weg zum MoGo in Scheibenberg hatte wir uns, einige Motorradfahrer aus dem Annaberger Raum, an verschieden Punkten verabredet um uns zu sammeln und gemeinsam zu MoGo zu fahren. Ich stand in Annaberg an einer Bushaltestelle und wartetet dort auf einen Teil der Gruppe. In kurzen Abständen zueinander hielten einige Motorradfahrer an, um nachzufragen, ob den alles in Ordnung ist. Obwohl wir uns nicht kannten, verband uns das gemeinsame Hobby Motorradfahren zu einer Gemeinschaft.

Im Predigttext geht auch um Mensch die in einer Gruppe verbunden sind. Gott, unser himmlischer Vater, ist ihre gemeinsamen Grundlage. Beide Gruppen glauben an den gleichen Gott und beide wissen das Jesus für sie, auch für uns, am Kreuz gestorben und wieder auferstanden ist und somit den ewigen Tod besiegt hat.
Im Text wird von den hebräischen und von den griechischen Juden gesprochen. Zwei Gruppen von Menschen, die zwar demselben Volk angehören, aber in unterschiedlichen Kulturen erzogen wurden und auch verschiedene Sprachen sprechen. Sie bilden gemeinsam die christliche Gemeinde in Jerusalem. Die hebräischen Juden wuchsen in Israel auf, sprachen ihrer Muttersprache Aramäisch und lebten nach den jüdischen Traditionen und Gesetzten. Die griechischen Juden kamen aus den umliegenden Länder in ihre Heimat, wahren aber geprägt von anderen Traditionen und hatten eine andere Muttersprache.

Da sind Verständigungsprobleme vorprogrammiert.
Für uns Motorradfahrer rund gemacht, auf Asphalt gelten andere Regel wie auf Schotter?

Das Grundproblem, die griechischen Juden fühlten sich in der Versorgung ihrer Ärmsten zurückgestellt und übergangen. Ein einheitliche Sozialgesetzt für beide Bevölkerungsteile musste her.

Falsch, das Sozialgesetz gab es schon, zu finden im 5. Mosebuch. Es brauchte Menschen zur Umsetzung.

Die zwölf Apostel hatten schon gut damit zu tun, von Jesus an die Gemeinde weiter zu erzählen. Ihr Auftrag ist klar umrissen. Berichtet den Menschen von Jesus und haltet die Gemeinde in Ihm zusammen. So konnten sie den sozialen Dienst nicht auch noch übernehmen.

Um einen Burnout für diese Zwölf Männer zu vermeiden musste eine Lösung her. Und so wurden in einer Gemeindeversammlung aus gesamten jüdischen Gemeinde sieben Männer gewählt, die um sich um das gerechte Umsetzten des Sozialgesetzes kümmern sollen. Die Zugangsbedingungen für die Kandidaten waren sehr hoch angesetzt.

Die Bibel sagt unsDarum, liebe Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Geistes und Weisheit sind, die wollen wir bestellen zu diesem Dienst.

Nicht Abstammung, Ausbildung oder Stand sind wichtig, sondern das richtige Auftreten wird in den Mittelpunkt gerückt.

Drei Gedanken in diesem Text sind mir besonders wichtig geworden.

1.
Auch Menschen die ihr Leben von Jesus führen lassen, die Jesus in ihrem Herzen haben sind nur Menschen. Was viele nicht wissen, auch ich als Christ kenne Tage an denen ich mich total ausgebrannt fühle, auch ich als Christ habe schlechte Laune, auch ich als Christ gerade mit anderen Menschen in Streit. Aber ich als Christ habe Jesus in meinem Herzen, wenn ich total leer bin, kann Gott durch Jesus in mir wirken. Durch diese Kraft kann ich auf mein Gegenüber zugehen und um eine gemeinsame Lösung kämpfen. Und durch diese Kraft kann ich etwas verändern.

Was hier die Zwölf, die Apostel, die Gemeindeleiter machen, wünsche ich unseren Politiker aber auch einen jeden von uns. Die andere Meinung anhören und die eigenen Gedanken daran wachsen lassen. Das ist fürs Ego nicht immer einfach, aber für die Gemeinschaft das Beste. Ständig umhermurren, etwas schlechtreden oder ständig über eine Sache schimpfen ist ebenso wenig zielführend, wie jede andere Ansicht abzuwürgen.

Die zwölf Apostel würgen den Ruf nach gleicher Behandlung von hebräischen und griechischen Juden nicht ab. Sondern sie nehmen die Menschen aus dem griechischen Gemeindeteil in die Pflicht, um etwas zu ändern.

Es sollten sieben Männer gewählt werden.

Wer waren nun die sieben Männer und was war so besonders an ihnen?

2.
Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Proselyten aus Antiochia.
So die Namen der sieben Diakone.

Diakon kommt aus dem Griechischen und wird im allgemeine mit Diener übersetzt.

Bei den Diakonen aus dem heutigen Bibeltext geht aber nicht um Hausangestellte die den Tisch decken oder die Zimmer in Schuss halten.

Diakone im biblischen Sinne, sind Menschen, die sich um andere kümmern und ihr eigenes Leben auf das Vorbild von Jesus ausrichten.

Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, so etwas kann man irgendwie einordnen. Aber Nikolaus, der als Proselyt, beschrieben wird, trieb mir einige besondere Fragezeichen auf die Stirn.

Was ist ein Proselyt?
Aus dem Erzgebirge stammend dachte ich auf Anhieb an eine Gesteinsart.

Gut, ein harter Brocken ist ein Proselyt schon.

Den dieser Mann, mit dem Namen Nikolaus, war Heide und ist zum jüdischen Glauben gewechselt. Das klingt erst einmal unspektakulär, ist es aber absolut nicht. Denn Nickolaus hat durch den Eintritt in den jüdischen Glauben sein ganzes bisheriges Leben auf den Kopf gestellt und musste mit seiner Vergangenheit, Herkunft und seiner Familie brechen.

So erfahren wir, wie wichtig es war, dass für diese sieben Diakone Gott die zentrale Stellung in ihrem Lebe einnahm. Gott ist der Ankerpunkt ihres Lebens.

Was in dieser Aufzählung aber nicht erwähnt ist? Ob einer von ihnen einen großen Titel trägt oder aus einer besonderen Familie stammt.

Aber sie mussten sehr strenge Zugangskriterien erfüllen.

- Zuerst brauchten sie einen guten Ruf. Denn ihnen wurde Geld, Nahrungsmittel, Kleidung und vieles mehr für die Bedürftigen anvertraut. Das mit dem guten Ruf ist doch auch immer wieder ein Thema unter uns Motorradfahrern. Z.B. Werkstatt; würdest du dein Motorrad einer Werkstatt anvertrauen, über die nur Schlechtes erzählt wird?

Die sieben Diakonen mussten diese ihnen anvertrauten Güter gut verwalten und richtig einsetzen. Es durfte dabei auch nicht der Eindruck von Liebhaberei, Vetternwirtschaft oder Veruntreuung entstehen. Hier nun, an dieser Stelle kommt ein weiters Kriterium ins Spiel, die Weisheit. Die Weisheit die Gaben für die Ärmsten der Gemeinde solide zu verwalten.

Guter Ruf und Weisheit sind auch heute noch wichtig Kriterien bei einer Stellenvergabe. Aber was mich, besonders in kirchlichen Stellenausschreibungen, auf 180 bringt sind verschiedene Kürzel. Da sucht ein kirchlicher Kindergarten einen Erzieher und legt die Kürzel M/W/D nach. …. Sollte da nicht besser stehen EHG (erfüllt mit dem Heiligen Geist). Und das ist der Knackpunkt in dieser Stellenausschreibung für die Diakone. Es werden sieben Männer gesucht, die ihre Leben mit Gott gehen, die in ihrem Herzen und Sinn von Jesus ausgefüllt sind, die von Gottes Geist erfüllt sind. Denn nicht anderes bedeutet voll Geist sein.  

Ich habe am Mittwoch einen Unternehmer kennenlernen dürfen und ein langes Gespräch über Christ sein und Unternehmer sein mit ihm geführt. In unserem Gespräch kam immer wieder ein Gedanke durch. Er ist in Gottes Hand geborgen. Zwei Sätze sind mir dabei hängen geblieben: „Auch wenn meine Leute weit weg sind, kann ich immer noch für sie beten.“ und „Einer steht immer noch über mir.“ Grenzenloses Gottvertrauen, Gott als die Mitte des eigenen Lebens, voll des Heiligen Geistes. Dieser Gedanke bringt mich von der Vergangenheit in die Gegenwart

3.

Was uns die Bibel erzählt, das sind doch uralte Geschichten. Können wir das überhaupt noch in unser Leben übertragen? Jetzt bin ich auf euer mitmachen angewiesen. Einfach Umfrage, so ähnlich wie beim Anlassen, aber bitte mit Handzeichen. Zu welcher Kirche gehörst du?

Also die Ev.Luth., Katholiken, Methodisten, Freikirchen, Neugierige oder Mitgekommene? Ein Gott, verschiedene Sichtweisen; und doch kein Säbelrasseln zwischen uns zuhören.

Ich habe meinem Zivildienst in einem Altersheim der Caritas, also bei unseren katholischen Schwestern und Brüdern geleistet. Es war eine spannende und lehrreiche Zeit. Und natürlich war ich immer etwas auf Krawall gebrüstet, wenn es um die Unterschiede in unserer Glaubenswelt ging. Als ich mit meinem Vorgesetzt einmal durch die katholische Kirche ging stellt ich ihm eine sehr spitz formulierte Frage zu den Heiligen, die mich von allen Seiten anblickten. Er gab mir eine sehr kluge Antwort. „Für mich sind diese Menschen Vorbilder; Vorbilder, im Vertrauen auf Gott zu leben.“ Diese Antwort entschärfe alle meine weiteren protestantisch-terroristischen Anschläge mit einem Mal.

Auch wir beim CMS, zum Beispiel in unseren BikerBibelKreisen, leben von dieser Vielfalt der Glaubenswelt.

Wichtig ist für uns, wir Glauben an einen Gott, der uns und alles umher geschaffen hat und Jesus, der sich, für unseren Mist, den wir täglich verbocken, geopfert hat und an den Heiligen Geist der uns führt.

Der Heilige Geist der diese ersten Diakone für ihre Aufgabe bereitgemacht hat ist auch heute noch unter uns. Wir müssen es nur zulassen das er uns erfüllt. Und so wünsche ich es uns, dass wir voll dieses Geistes werden und das unseren Glauben durch Worte, Taten aber auch durch unser Leben in unser Welt sichtbar wird.

Amen.