Mogo Predigt 15.08.2020 Auerswalde

Predigt zum Mogo Auerswalde

Thema: „Religiöse Vorschriften contra Bibel“
Predigttext: Markus 7, 1-13

Wie kam ich nun gerade auf diesen Text?

Wer täglich die Bibel liest und dazu den Lesevorschlag aus dem Herrnhuter
Losungsbüchlein nutzt, der hat diesen Text heute früh bereits schon gelesen. Es
ist der leicht gekürzte Textvorschlag für den heutigen Tag.

Was hast Du Dir aus dem Text gemerkt?
 
Korrekt! Vor dem Essen, nach dem Essen, Hände waschen nicht vergessen!

Wahrscheinlich kennt jeder von euch diesen Satz und hat ihn auch schon
unzählige Male gehört, besonders in der Kindheit.

Also meine Oma, die hat mir das immer wieder aufgesagt!

So eine Selbstverständlichkeit als Lebensweisheit endlich zu kapieren, scheint
bei den meisten ein sehr langer Weg zu sein – bei mir war das jedenfalls so.

Und das Thema Corona holt mich wahrscheinlich auch immer wieder ein. Das
Wort will ich möglichst vermeiden, aber immer wieder gibt es Verbindungen
dazu.

„Bitte Hände desinfizieren und so oft wie möglich waschen!“

Ich kanns einfach nicht mehr hören!

Und nun kommt in unserem heutigen Bibeltext dieses Thema auch gleich noch
am Anfang zur Sprache, als müsste man darüber nun auch noch mit Jesus
diskutieren.
 
Aber nun erst mal der Reihe nach.

Unser Text steht im Markus-Evangelium, das zweite Buch im Neuen Testament
der Bibel, das von Jesus, seinem Leben, Wirken, Sterben und Auferstehen
berichtet.
 
Es gibt davon 4 Bücher, die die 4 Evangelien genannt werden.

Also, das Markus-Evangelium, in dem unser Text steht, das hat Johannes
Markus verfasst.
 
Ob Johannes Markus ein Vorfahre von mir ist? Wer weiß das schon so genau,
aber das rauszufinden wäre wirklich etwas unsinnig.
 
Wie dem auch sei, jedenfalls ich werde immer wieder mit meinem
Familiennamen Markus, als Vorname angesprochen, also z.B. „Hallo Markus“.

Bei Johannes Markus war das vielleicht auch so.
 
Johannes gab es wie Sand am Meer und daher könnte es gut sein, dass mit dem
Namen Markus eben gleich jeder etwas anfangen konnte, bei Johannes war das
ohne Nachfrage eher schwierig.

Also, dieser Markus nun, war ein ganz enger Freund von Petrus, dem Jünger
bzw. Schüler von Jesus.

Petrus nannte ihn sogar „Seinen Sohn“, er war ein noch sehr junger Mann.

Seine Mutter besaß ein Haus in Jerusalem, dort trafen sich die Christen der
noch sehr jungen Gemeinde – sicher lerne Petrus, der ja anfänglich in
Jerusalem predigte, Johannes Markus dort in dieser Gemeinde kennen.

Markus war später mit Petrus viel unterwegs und hörte ganz logisch die vielen
Geschichten und Berichte, die Petrus mit Jesus persönlich erlebt hat.

So schrieb dann Markus ca. in der Zeit zwischen 50 und 65 nach Christus alles
auf, was er von Petrus gehört hatte.
 
Zu dem Zeitpunkt war er in Rom und hatte in erster Linie als Adressaten und
Leser seiner Berichte die Römer und die Nichtjuden vor Augen.
 
Daher erklärte er in seinem Buch auch viele jüdischen Bräuche etwas näher. 
 
Nun zu unserem Text:

Jesus war im Norden vom See Genezareth unterwegs.
 
In Kapernaum wohnte Jesus sogar eine Zeit lang. Den Ort kannst du übrigens
heute noch besuchen

Jesus predigte in den Städten und Synagogen der ganzen Gegend, heilte viele
Kranke und hatte eine sehr große Zahl von Anhängern, meist aus dem
einfachen Volk – das war für die Staatsmacht ein absoluter Dorn im Auge.
 
Und Jesus lieferte sich viele Streitgespräche mit den damaligen religiösen und
politischen Führern. Er redete immer wieder gegen deren Gesetzlichkeit.

Die kamen einfach gegen Jesus und seiner hervorragenden Bibelkenntnis nicht
an und so forderten sie Verstärkung aus Jerusalem an.

Die Verstärkungs-Truppe traf eines Tages am See Genezareth ein.

Ca. 150km zu Fuß oder vielleicht mit dem Pferd, 2 ganze Tage waren die
Männer mit Sicherheit unterwegs, wenn nicht sogar 3.

Das musste also überaus wichtig gewesen sein, das mit diesem Jesus.
 
Am liebsten wollten sie ihn schnell ans Messer liefern. Endlich Ruhe sollte
einziehen und die Massen von Menschen, die ständig Jesus wie Rauch
nachzogen, sollten wieder nach Hause gehen.

Also, kaum angekommen, stürzte sich die Delegation aus Jerusalem auf Jesus
und seine Jünger, also Schüler, und schau an, schau an, „Hände waschen vor
dem Essen tatsächlich vergessen!“

Also selbst meine Oma hätte hier gesagt – das geht gar nicht!

Und COVID 19 lässt grüßen!

Schild am Eingang der Kirche, des Gemeinschaftshauses, „Hände desinfizieren“
übersehen – passiert mir übrigens regelmäßig!

Schon hatte der Klerus die Truppe am Wickel.
 
Und so sind wir bereits mitten drin im ersten von meinen insgesamt zwei
Abschnitten.
 
Ich habe ihn überschrieben:

1. Der Klerus klagt an (Verse 1-5)

Der Klerus, das waren und sind übrigens die religiös Mächtigen und in vielen
Perioden der Geschichte auch gleichzeitig die politischen Machthaber.

- Ich lese uns zur Erinnerung noch mal diese 5 Verse:

Zunächst erklärt der Buchschreiber Markus erst mal den jüdischen Brauch, der
mit dem Hände waschen zusammenhängt.

Es ist kein Gebot oder Gesetz aus der Bibel, es ist lediglich zu diesem Zeitpunkt
ein mündlich überlieferter Brauch. Das hatte irgendwann mal jemand so
festgelegt.

Also, „Hände waschen vor dem Essen nicht vergessen!“

Kommst du vom Markt und möchtest den gekauften Apfel essen, Hände
waschen nicht vergessen,

Und was ist mit dem Apfel? Muss der nicht gewaschen werden?
Wahrscheinlich nicht, Hände waschen reicht!

Und dann regelmäßig Geschirr aufwaschen!

Also für mich klingt das alles sehr schlüssig und hygienisch.

Ich weiß gar nicht, was es zu diesem Thema zu diskutieren gibt.

Da habe ich mich dann doch mal etwas näher mit dem „HÄNDEWASCHEN“ der
damaligen Zeit beschäftigt.

Das war tatsächlich gar nicht aus hygienischen Gründen vorgeschrieben.

Ich vermute, dass der jüdische Brauch aus der Zeit stammt, als der Tempel in
Jerusalem in Schutt und Asche lag.

Die Juden hatten daher die Vorstellung, dass jetzt das Haus eines jeden Mannes
der Tempel ist und der Tisch in seinem Haus der Altar und die Speisen auf dem
Tisch die Opfergaben für Gott und der Mann selbst der Priester.
 
Die Vorschrift lautete, dass der Priester zeremoniell rein sein muss, bevor er ein
Opfer auf dem Tempelaltar darbringt. Die mündliche Überlieferung der Torah
(das ist das jüdische Gesetz) verlangt also dasselbe vor dem Einnehmen der
Mahlzeit von jedem Mann.

Es war sogar peinlich genau vorgeschrieben, wie das Wasser über die Hände zu
laufen hatte.

Hm, dann hat das also gar nichts mit dem Dreck, den Bakterien und Viren an
den Händen, Bechern und Schüsseln zu tun.

Der Hintergrund ist ein rein religiöser und steht noch nicht mal in der Bibel.

Die hochrangigen Theologen gehen nun gar nicht zu den Jüngern und
konfrontieren diese mit ihrem Verhalten.

Nein, sie klagen Jesus für das Verhalten seiner Jünger sofort direkt an.

Das bezeichnende dabei ist, dass Jesus die Ankläger nicht zu den Jüngern
schickt mit der Bemerkung, das müsst ihr schon mit meinen Männern selbst
klären, die sind ja schließlich alt genug.

Nein, Jesus stellt sich schützend vor seine Leute. Er stellt sich schützend vor
dich vor mich, wenn der Ankläger, der Teufel kommt und will uns an die Karre fahren.

Jesus schirmt uns förmlich ab, wenn wir zu ihm gehören, wenn wir seine Jünger sind.

Zurück zum Text:

Also, jetzt ergreift Jesus die Initiative:

2. Jesus verteidigt seine Schüler, seine Jünger (Verse 6-13)

Wow, Jesus spricht Klartext!

Er durchschaut sofort die Hintergedanken der hochrangig geistlichen
Delegation aus Jerusalem.

Ich habe zu Hause eine Übersetzung der vier Bücher, der Evangelien, aus dem
Aramäischen, der Muttersprache von Jesus.

Dort ist die Ansprache übersetzt mit „ihr Schauspieler und Heuchler“

Also, „ihr Schauspieler“, das hat mir gleich ein Grinsen ins Gesicht gezaubert.

Das ist eine Bezeichnung, die passt doch in unsere Zeit.

Hervorragende Schauspieler gibt es nicht nur in guten Filmen, sondern in allen
Bereichen, in der Wirtschaft, in der Politik, o ja, und besonders auch im
religiösen Bereich – in den Kirchen.

Ich brauch dir das wahrscheinlich gar nicht zu erklären, du weißt sofort, was ich
meine – oder?

Ein Beispiel habe ich da bereits immer wieder einmal erzählt:

Ein junger Pfarrer hat es in einer Predigt aus seiner Studienzeit berichtet, die
liegt noch gar nicht so lange zurück.

Ich habe diese Predigt selbst gehört.

Das Beispiel untermauert meine Aussage im Bereich Kirche sehr gut:  
Da fragt doch der Professor während der Vorlesung seine Theologie-Studenten:
„Wer von ihnen glaubt denn an Gott?“

Im Hörsaal waren so ca. 30-40 Studenten

Von denen meldeten sich gerade mal 4, incl. des Erzählers.

Seine beste Studien-Freundin neben ihm meldet sich nicht.

Nach der Vorlesung fragt er sie, ob sie tatsächlich nicht an Gott glaube – sie
bestätigt das ihm.

Warum willst du dann aber Pfarrerin werden?

Nun mich interessiert der Beruf, die Seelsorge und ich gehe eben gern mit
Menschen um und verdienen kann man da ja auch nicht schlecht.

Und was erzählst Du den Menschen in deinen Predigten?

Na das kann man ja lernen, da muss man selbst ja nicht unbedingt dran
glauben!

Verstehst du jetzt, was ich meine?

Ihr Schauspieler und Heuchler sagt Jesus zum Klerus!

Und jetzt geht er gar nicht auf die Kleinigkeit mit dem Hände waschen ein.

Das ist gar kein Punkt zum Streiten, es ist ja richtig, die Hände zu waschen, es
rettet aber nicht das Leben für die Ewigkeit.

Also nimmt Jesus ein viel gewichtigeres Beispiel, das Verhältnis zu den Eltern,
was die Bibel dazu sagt und was die religiösen Führer daraus gemacht haben.

Zunächst zitiert er erst mal den alten Propheten Jesaja:

„Diese Menschen ehren mich (also Gott) mit ihren Worten, aber nicht mit
ihrem Herzen. Ihre Anbetung ist nutzlos, denn sie ersetzen die Gebote Gottes
durch ihre eigenen Lehren.“ Jesaja 29, 13

Und gleich danach zitiert Jesus ein Gebot Gottes aus den Mose-Büchern, das
uns Christen als das 4. Gebot bekannt ist:

„Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in
dem Lande, das dir der Herr dein Gott geben wird.“ 2.Mose 20,12 – übrigens
das einzige Gebot mit einer Verheißung. 

Und: „Wer Vater oder Mutter verflucht, soll mit dem Tode bestraft werden.“
2.Mose 21, 17

Interessant! Jesus konfrontiert die Ankläger zu allererst mit Aussagen der Bibel
und nicht mit seiner Meinung.

Jetzt aber redet er Klartext über die Machenschaften der Geistlichen.

Die redeten damals den Juden ein, wenn du Geld hast – es geht also wieder
mal ums Geld – wie so oft!
 
Also, wenn du Geld hast ist es durchaus in Ordnung zu geloben, alles Gott und
damit dem Tempel zu geben. Das Wort „Korban“ wurde damals ausgesprochen
und damit gesetzlich verpflichtend alles Geld was man besaß Gott geweiht.

Zu deinen Eltern kannst du dann guten Gewissens sagen: Es tut mir leid, ich
habe alles Gott geweiht und kann euch nichts geben. Das galt selbst dann,
wenn die Eltern am Verhungern waren.

Und somit klingelte es gewaltig in der Tempelkasse – und der Wohlstand der
Priester war gesichert – na super!

Ja damals. Das gibt es doch heute nicht mehr.

Hast du Streit mit deinen Eltern? Denkst du gar nicht dran sie zu unterstützen?

Die haben doch Kohle genug! Verhungern werden die nie und nimmer!  
Und es gibt doch Pflegeheime und Pflegesätze.

Ja aber mal ein Zeichen der Dankbarkeit, ein Straus Blumen, eine kleine Geste?

Lieber schmeiß ich das Geld am Sonntag in die Kollekte, da ist es wenigstens für
einen guten Zweck!
 
Und wenn der Pfarrer dann mitbekommt, dass ich viel gebe, dann schätzt er
mich als Gemeindeglied auch ganz besonders und Gott ist mein Opfer ja
sowieso bekannt und genehm. – ist es das wirklich?

Was würde Jesus zu dir dazu sagen?

Vielleicht hast du ja auch gar keine Eltern mehr oder kennst nur deine Mutter
oder deinen Vater?

Vielleicht haben sich deine Eltern auch gar nie um dich gekümmert?

Dann gilt die Aussage der Bibel für dich ja gar nicht?

Doch, sie gilt auch Dir.
 
Was sind deine Gedanken über deine Eltern, die du vielleicht nicht hast oder
nicht kennst, oder die dich missbraucht oder gedemütigt haben.

Verfluchst du sie immer wieder in deinem Kopf oder versuchst du ihnen zu
vergeben oder sie gar zu segnen?

Was du auch immer tust, es wird gravierende Auswirkungen auf dich und dein
Leben haben.

Zurück zum Text:

Da sagt Jesus nun abschließend zu seinen Anklägern und ihren erdachten
Vorschriften: „Auf diese Weise brecht ihr das Gebot Gottes, um eure eigenen
Vorschriften zu halten. Und das ist nur ein Beispiel von vielen.“ – Zitat Ende

Wow, Anklage abgeschmettert – ihr könnt abtreten!

Wie viele von den verantwortlichen Kirchenführern, Bischöfen, Pfarrern,
Pastoren, Gemeindevorständen, würde Jesus heute genauso wegtreten lassen
wie die Jerusalemer Delegation damals.

Denken wir nur an die Streitigkeiten über das Abendmahl, die Tauffrage, Ehe
und Familie, Abtreibung, Homosexualität usw. – Es gibt mittlerweile so viele
von Menschen erdachte Bestimmungen und Gesetze, die mit der Bibel nichts
zu tun haben.

Erinnert euch noch mal an die ungläubigen Theologie-Studenten – die arbeiten
bereits heute zum großen Teil als Pfarrer und Pastoren.

Und, wie oft dreht sich alles nur ums Geld – wie ja auch in dem Beispiel, das
Jesus verwendet.

Du bist einfach nur enttäuscht von manchen oder sogar von den Christen und
besonders von den Verantwortlichen? Sie reden viel und tun häufig das ganze
Gegenteil.

Da kann doch am christlichen Glauben nicht viel dran sein.

Ich kann dir nur eines raten: Orientiere dich nicht an Menschen – nimm nicht
sie zum Vorbild und gleich gar nicht mich.

Menschen, und eben auch manche Christen oder auch Pfarrer, Pastoren,
Bischöfe, sie werden dich enttäuschen, sie sind eben auch nur Menschen.

Nimm dir Jesus zum Vorbild, lies selbst in der Bibel und studiere Jesus und sein
Leben – er soll dein Vorbild sein.

Und, lass dich nicht von Vorschriften oder Gesetzen, die Theologen, Bischöfe
oder kirchliche Konzile erdacht und erfunden haben, bestimmen.

Sie alle müssen sich Gottes Wort, der Bibel unterordnen und einmal vor Gott
für ihr Tun verantworten, wie du und ich übrigens auch.

Lese doch die Bibel selbst und entdecke, wie Gott zu dir ganz persönlich spricht,
was Jesus sagt und was er dir und mir vorlebt.

Und wenn du dich für ein Leben mit Jesus noch nicht entscheiden konntest, du
noch nicht Christ geworden bist, weil eben Christen dich enttäuscht haben,
dann sage ich dir, schiebe es nicht auf die lange Bank, Rettung ist nur bei Jesus
und vergiss die erlebten Enttäuschungen.

Es geht um dich und deine Rettung, nicht um die anderen!

Auch du wirst Menschen enttäuschen – Jesus aber enttäuscht nie.
 
Er liebt dich mit all deinen Fehlern und stellt sich vor dich!
 
Und zum Schluss noch ein Wort zu den Mitgliedern des CMS:

Auch du bist vielleicht von dem Einen oder der Anderen enttäuscht worden –
ja, das kann sein.

Erinnere dich aber bitte, was trägst du für eine Bibelstelle auf deinem Patch des
CMS?

Genau: Matthäus 22, 37-39

Und was steht dort?

Jesus sagt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben, von ganzem Herzen, mit
ganzer Seele und mit all deinen Gedanken! Das ist das erste und wichtigste
Gebot. Ein weiteres ist genauso wichtig: Liebe deinen Nächsten wie dich
selbst!“

So steht die Liebe zu Gott, zu Jesus an allererster Stelle und ebenso die Liebe zu
deinem und meinem Nächsten und zu dir und mir selbst!

Wenn wir das umsetzen und praktizieren, werden alle menschlichen
Enttäuschungen keine Relevanz für dein und mein Leben mehr haben.
   
Gott segne dich! Gott segne euch!


  Amen.