Mogo Oederan 2010

Bibeltext: Röm. 9,1-8 und 14-16

Liebe Leute, stellt euch einmal vor: Ich sitze in meinem Arbeitszimmer. Vor mir der große alte Schreibtisch. Die Tastatur liegt vor mir, davor der Bildschirm und daneben meine aufgeschlagene Bibel.

Gerade habe ich den Predigttext gelesen, der für den heutigen Sonntag vorgeschlagen ist. Ich sinniere, schaue durch das Fenster auf das ewige Grün der Tannen in unseren Garten.

Ich finde den Text gut und dann denke ich: „Was werden wohl die Biker denken, die sonst nie zu Gottesdiensten gehen?“ „Was sagen die zu solch einem Text?“

Ich bin versucht einfach umzublättern und einen anderen Text herzunehmen.

Dann denke ich, es wird seinen Sinn haben, dass wir gerade heute zum Bikergottesdienst über diesen Text nachdenken wollen/sollen.

Nun seid ihr wahrscheinlich gespannt, was das für ein geheimnisvoller Text ist.

Also hört ihn euch einmal an:

Text Röm. 9,1-8 und 14-16

Der, der hier spricht ist Paulus. Nicht der General Feldmarschall, sondern der 1. Missionar im Reisedienst.

Dabei gehörte er als junger Mann zu denen, die von Jerusalem aus Christen verfolgten. Er hasste die Christen. Sie waren ihm eine Mücke im Auge. Die Offenes-Visier-Fahrer wissen wovon ich rede.

Paulus wollte seine jüdischen Traditionen rein halten. Dieser Jesus passt nicht in die Vorstellungen von dem Messias, den Retter, den von Gott Gesandten.

Stand dir schon mal ein Mensch voller Hass gegenüber? Ich habe das mal erlebt.

Ein junger Mann hasst alles was mit Christen zu tun hat. Wir stehen vor einer Turnhalle und unterhalten uns über Gott und die Welt, über unsere Biografien.

Er erzählt von einer christlichen Mutter, jedenfalls was er dafür hielt, sie ging wohl ab ——-…und zu in die Kirche.

Für ihren Jungen hatte sie nichts übrig. Das hat sie ihm, in einer ihrer besonders schwachen Stunden, auch genau so unter die Nase gerieben.

„Du warst nicht gewollt!“ Vier Worte, dies sich wie ein Brenneisen bei der Kennzeichnung von Fohlen einbrennen.

Der Hass ist in ihm gesät.

Während er sonst in unserem Gespräch eher mit matten Augen vor sich hinschaut, funkeln seine Augen, wenn er seinem Hass Worte verleiht.

Kurz gesagt: Mir war unheimlich.

So erging es wahrscheinlich Christen, die Paulus gegenüber standen.

Auf einen seiner Verfolgungsjagden hoch zu Ross, begegnet ihm Christus vor der damaligen Weltstadt Damaskus.

In Folge der Begegnung ist Paulus blind. Er hört eine Stimme, die ihm sagt und fragt: „Saulus, ich bin Christus, warum verfolgst du mich?“

Du hast richtig gehört, den Paulus hieß bis dahin Saulus. Er ändert seinen Namen als er vom Christenverfolger zum Missionar wird.

Hast du schon mal eine Stimme gehört, die zu dir spricht und du kannst weit und breit niemanden sehen?

Du musst nicht verrückt sein, damit dir so etwas passiert. Gott spricht mit Menschen. Manchmal ungefragt und manchmal gefragt.

Als ich 1996 einen schweren Motorradunfall hatte, fragte ich, als ich wieder bei Sinnen war: „Gott warum hast du das zugelassen?“ und sofort, wie aus der Pistole geschossen kam die Antwort: „Ich bin in deinem Leben nicht mehr bestimmend, bin nicht mehr die Nummer 1, habe nicht mehr die Pol-Position.“

Ich schaute mich um, da war niemand. Ich selbst war zumindest so bei Sinnen wie ich es jetzt bin.

Wieder zurück zum Paulus. Der bekommt Besuch von einem verängstigten Christlein.

Hananias war sein Name. Ein unscheinbarer Typ. Kein Held des Glaubens. Kein Mediziner…

Der bekommt von Gott den Auftrag den Paulus wieder gesund zu machen.

Der hat keine Ahnung wie das gehen soll, aber er macht es. Übrigens, eine wichtige Gangart, wenn es darum geht, Gottes Willen zu tun. Losgehen, einfach – los gehen!

Von nun an ist Paulus kein Christenverfolger, sondern selbst Verfolgter. Er ist Christ geworden. Er lebt das, was er glaubt erkennbar für alle. Wie sieht das bei dir aus?

Der Paulus schreibt nun in den Predigtext mit eindringlichen Worten: „Ich selbst wünschte verflucht zu sein…“ „Ich habe große Traurigkeit in meinem Herzen…“ Warum dieser Ausbruch der Gefühle?

Selbstlos würde er auf sein Heil verzichten, wenn die Angehörigen seines Volkes und des Volkes aus dem Jesus stammt, diesen Jesus als Retter sehen könnten.

Das ist ungefähr so, also ob Honda Reichelt ein Supermotorrad schenken will, du es aber ablehnen würdest, wenn dadurch dein Bruder auch endlich anfangen würde Motorrad zu fahren.

Ich frage dich, der du Christ bist und heute hier auf diesem Platz stehst, was ist es dir wert, dass dein Kumpel, deine Freundin Gott kennenlernt?

Ich erschrecke bei mir selbst und bei anderen darüber wie oft uns das egal und keinen Pfifferling wert ist.

Das kann so nicht sein. Das ist kein Zustand an den du dich gewöhnen sollst und kannst. Ich wünsche dir ein Feuer in deinem Herzen, einen Sehnsucht danach, anderen etwas von diesem Jesus weiterzusagen.

Paulus stellt weiter klar. Dieser Jesus ist ganz klar als Jude geboren, als Jude erzogen und hat als Jude gelebt.

Dem Volk der Juden gilt Gottes Aufmerksamkeit in erster Linie. Diesem Volk gelten die Verheißungen und Prophetien.

Das hat zu allen Zeiten wirre braune und rote Diktatoren und ihre Gefolgsleute dazu gebracht, aus einer Art Eifersucht heraus dieses Volk zu hassen.

Gott hat seinem Volk viel zugemutet. Aber es gibt sie noch immer.

Wer glaubt, in den Juden Feinde sehen zu können, kann nicht auf Gottes Seite stehen.

Auf Gottes Seite stehen bedeutet aber auch nicht, alles gut zu heißen, was das politische Israel tut.

Das politische Israel tut Dinge, die aus unserer Sicht ganz anders aussehen, wie aus der Sicht der Betroffenen auf den verschiedenen Seiten. Ein Urteil, mit unserer Geschichte, ist uns kaum möglich. Jesus kannst du aus diesem Zusammenhang nicht herauslösen. Jesus gehörte zum Volk der Juden.

Und das Volk der Juden war von Gott privilegiert.

Schließlich fragt Paulus: „Was sollen wir hierzu sagen?“

Gute Frage, Paulus. Die Antwort interessiert.

Paulus stellt aber erst einmal noch weiter unsere Fragen: „Ist Gott ungerecht?“

Die Antwort fällt für Paulus denkbar kurz aus. Ich zitiere: „Das sei Ferne!“ ich übersetzte ins Sächsische: „Neee, dos gibt´s garnisch!“ oder „Das gommt gar nisch in Frache!“ Natürlich kommt es aus menschlicher Sichtweise in Frage, zu hinterfragen, ob Gott den wirklich gerecht sei.

Paulus ist uns in seiner Gotteserkenntnis mindestens einen Schritt voraus.

Er hat von Gott nicht mehr unser Gottesbild, das geprägt ist von einem weißhaarigen alten Mann, mit jeder Menge menschlicher Eigenschaften.

Kein selbst gebasteltes Maskottchen aus dem religiösen Selbstbausatz.

Gott ist für ihn Gott, dessen Willen man blöd finden kann, aber der uneingeschränkt zu akzeptieren ist.

Gott muss sein Tun uns gegenüber nicht rechtfertigen.

„Wem ich aber gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wes ich mich erbarme, des erbarme ich mich.“

Das wirkt lächerlich oder souverän.

Wenn meine 5jährige Nichte im Garten steht und verkündet: „Mit dir spiele ich nie, nie wieder“, dann ist das zickig und lächerlich. Zumal es eh nur eine Haltbarkeitsdauer von 3 Minuten hat.

Wenn Gott so etwas spricht, dann ist das souverän.

Dann lässt das keinen Raum für Diskussionen oder sie laufen ins Leere, wie die Angriffe von den kleinen, zappeligen Italienern, die Bud Spencer in seinen Filmen immer wieder vergeblich anspringen und diesen Berg noch nicht einmal ins Schwanken bringen oder wenn sie zum Schlag ausholen und Bud Spencer mit Kraft die Richtung des Schlages ändert und man trifft ungewollt sich selbst oder den Mitangreifer.

Wem Gott gnädig ist, ist er also gnädig.

Zum Schluss verstärkt diesen Satz noch einmal das Ende unseres Textes:

„So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.“

Das versteht jeder, da braucht es keinen Übersetzer.

Wenn das der letzte Satz in der Bibel wäre, dann würde ich jetzt sagen:

„Kommt Leute, wir packen unsere Sachen zusammen und hauen ab, denn wir sind hier auf dem falschen Dampfer. Hier können wir nichts tun.

Gott ist ein Selfmademann, der macht sowieso alles selbst. Es ist absolut egal wie du dich anstrengst, was du willst, wenn Gott nicht will, wirst du nicht glauben können.“

Ich sage es nicht, die Leute, die diesen Mogo organisiert und durchgeführt haben, die Mitarbeiter des CMS, Millionen von Christen auf dieser Erde sagen es nicht. Denn es gibt auch andere Verse in der Bibel.

Mt. 28, 19 – …gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes…

Geht hin und lehrt alle…

Alle nicht zu irgendwelchen Auserwählten, zu Eliten, zu allen. Zur Oma Oelfriede, zu Claire Grube im Kindergarten und zu Willi Biker auf dem Bikergottesdienst.

oder:

2. Tim. 2, 4 – ..…solches ist gut und angenehm vor Gott, unserm Heiland, welcher will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

Wir stehen hier, denn du sollst die Wahrheit erkennen. Dieser Jesus von dem wir reden ist der Sohn Gottes, ja Gott selbst. Er bringt wieder in Bahnen, was außer Rand und Band ist.

Paulus hat Jesus als seinen Retter gesehen, obwohl er es gar nicht wollte.

Der junge Mann, mit dem ich vor der Turnhalle stand, hat keine Hasserfüllten Augen mehr. Er rief ein halbes Jahr später an und wollte Christ werden. Ich durfte ihm dabei helfen.

Und was ist mit dir?

Roberto Jahn, MoGo in Oederan 2010

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